Werbung
,

Erró - Les années Pop: Frische, linke Kunst

Eine der gängigsten Erklärungen dafür, was linke und was rechte Positionen in der Kultur sind, stammt von Walter Benjamin. Der Faschismus, so schreibt er in seinem Aufsatz über \"das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit\", versucht, die Politik zu ästhetisieren; der Kommunismus antwortet darauf mit der Politisierung von Ästhetik. Die Collagen, die Errò, der isländische Künstler, der seit 1958 in Paris lebt, in der Galerie Hilger zeigt, liefern die perfekten Darstellungen zu Benjamins Diktum. Sie nehmen es geradezu wörtlich. \"Angelica\" zum Beispiel, eine Arbeit aus dem Jahr 1977, kramt tief im Fundus kunsthistorischer Beflissenheit und holt eine Vorlage heraus, die von Ingres stammt. \"Rüdiger befreit Angelica\" heißt das zugrundeliegende Gemälde, es illustriert eine Episode aus der Rolandssage und zeigt das weibliche Zagen und das männliche Wagen in zeitüblicher Zusammenstellung. Errò seinerseits stellt das Mädchen frei und damit Gefangenschaft in einen vollkommen anderen Kontext. Den Fond von Erròs Intervention nimmt ein Foto ein, das die Marseillaise-Gruppe des Arc de Triomphe vorführt, und auch hier ist der allegorische Tingeltangel ins Konkrete übersetzt: Die forschen Figuren tragen Gasmasken und machen damit das Blatt insgesamt zu einer desperaten Hommage an das totalitäre Jahrhundert. Je abgehandener das traditionelle Muster, um so deutlicher die Uminterpretation ins Gegenwärtige. Je ästhetischer die Vorlage, desto politischer die künstlerische Haltung. Errò ist ein Dialektiker und die Collage das Medium par excellence für den Aufeinanderprall der Gegensätze und die darin freigesetzte Überzeugung vom produktiven Dritten. Erròs Collagen tragen eine dezidierte politische Botschaft. Dabei wirken sie durchweg zeitgemäß - manches steht in erstaunlicher Parallele zur Arbeit der momentan so aktuellen Martha Rosler. Erròs Collagen stehen links, und sie sind frisch geblieben: Wie oft kann man so etwas sagen?
Erró - Les années Pop
24.08 - 17.09.2001

Galerie Ernst Hilger
1010 Wien, Dorotheergasse 5
Tel: +43 512 53 15, Fax: +43 513 91 26
Email: ernst.hilger@hilger.at
http://www.hilger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-15 h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
mein titel
ivo | 14.01.2008 01:46 | antworten
das ist mein kommentar asdf ßÜÄÖ +üäö

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: