Werbung
,

Fokus 01: Rebellion & Aufbruch Kunst der 60er Jahre: Aus der Vorgeschichte der Moderne

Jetzt, wo das Museumsquartier genug verrissen, die Kunsthalle Wien umfassend mit Überflüssigem versorgt, Rudolf Leopold ausreichend zum Retter des Abendlandes ausgerufen und Lorand Hegyi hinreichend zur Persona non Grata erklärt worden ist, jetzt also kann man daran gehen, vor Ort so etwas wie Qualität zu etablieren. Und tatsächlich bricht sie sich ausgerechnet im MUMOK Bahn, in Laurids Ortners Aufbewahrungs- und Aufbahrungshalle, im Dark Cube, der aussieht wie das kleinste gemeinsame Vielfache von AKW (für Österreicher: Atomkraftwerk) und AKH (das kennt man). Ganz augenscheinlich interessiert sich Edelbert Köb für Architektur, und weil es jedem neuen Direktor gut ansteht, wenn er spektakulär Hand anlegt an sein Haus, so trieb Köb ihm, zusammen mit dem Büro Herzog_Hrabal,die Bunkermentalität aus. Luft kommt herein, und man erkennt plötzlich, dass es pro Stockwerk nicht Kojen gibt, sondern exakt einen, durchaus großzügig gedachten Raum. Zu allererst wurden die Stellwände von dem Streckbett aus Korrespondenzen befreit, die sie bisher so fest, unverrückbar und verliesartig erscheinen ließen. Jetzt sind sie unabhängig von den betonernen Unterzügen, die die Decken gliedern, und vor allem erfassen sie nicht die Gesamthöhe. Jetzt wirken sie wie Paravents, die den Blick eher facettieren als bremsen. In diese raumplanartige Transparenz wurden nun stockwerkweise die künstlerischen Tendenzen gepflanzt. Ebene 1 bekam die Aktionisten, Nummer 3 Fluxus und Happening, Abteilung 4 die Pop Art und im Oberlichtsaal unter dem Dach gibt es eine ebenso krude wie mutige Inszenierung voller Intelligenz und Postmoderne. Hier spielte Köb selbst den Kurator (während seine teilweise aus dem unfreiwilligen Exil zurückgeholten Mitarbeiten für die Stockwerke darunter verantwortlich zeichnen). Abstrakte Malerei wird auf die offenkundig einfältigste Weise mit figurativer Plastik kombiniert, konfrontiert, korsettiert, Giacometti etwa mit Morris Louis, der Hyperrealist John de Andrea mit Rockenschaub und Henry Moore mit Gerhard Richter. Als stammte dies alles aus längst und höchst vergangenen Jahrhunderten, wird die Moderne zurechtgestutzt auf die simpelsten Dualitäten. Das hat sich in dieser Brachialität noch niemand getraut. Das ist eine kleine Sensation. Das ist Stoff für Streit. Herrlich.
Fokus 01: Rebellion & Aufbruch Kunst der 60er Jahre
20.06 - 26.10.2002

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500, Fax: +43 1 52 500 13 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: