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Frau Minister und die Ihren

MUMOK Dann werden wir also am Montag wissen, wer die neue „Mumok-Direktorin“ wird. „Die Presse“ hat vorab zumindest schon einmal das Geschlecht gemeldet und gleich die Einschätzung hinterhergeliefert, dass es Karola Kraus alias Karola Grässlin werden wird. Nichts kennt und weiß die „Presse“-Kommentatorin von der Kandidatin, doch die internationale Solidarität der Frauen reicht schließlich aus, um ein gewisses Gefühl aus dem Bauch heraus zu artikulieren. Ach ja, da ist dann noch die Sache mit Martin Kippenberger, mit dem die Karola offenbar mal was hatte, und eine Chose mit einem einflussreichen Mann hat der Karriere bekanntlich noch nie geschadet. Sonst wird nichts vermeldet. Dass Madame Kraus irgendwann den Kunstraum Daxer, oder wie der hieß, geleitet hat, in dem in den frühen Neunzigern von Mark Dion bis, was sag ich, Kippenberger, alles an Conceptual Art der zweiten Generation vertreten war: geschenkt. Dann hat sie den Kunstverein Braunschweig, oder wie das heißt, geführt. Und die Kunsthalle Baden-Baden, oder so ähnlich. Jetzt aber soll es das Mumok werden, und das bewirkt nun endlich einen „Wechsel in die erste Reihe“. Eine miserable Architektur und eine zweitrangige Sammlung: Was kann das aus Wiener Perspektive anderes bedeuten als die Eroberung einer Institution von Weltrang! Es ist schlicht unwürdig, wie das Wiener Feuilleton mit den Mumok-Kandidaten umgeht. Da werden Namen an die Oberfläche gezerrt, wird vorab zensuriert und verworfen, nur um auf eingeweiht machen zu können. Personen, die sich nicht beworben haben und denen das Mumok und seine Mittelmäßigkeit, sorry, am Arsch vorbei gehen, werden taxiert, gönnerhaft in ihrer Geeignetheit eingeordnet und zwei Tage später, wenn irgendeine Schranze aus der Entourage der Frau Minister etwas anderes in die Runde gestreut hat, wieder ausgesondert. Hauptsache, man kann das „Näher, meine Herrin zu Dir“ einer in ihrem Opportunismus längst völlig aus dem Ruder geratenen Journaille vorführen. Was kümmert die Schreiberlinge auch die Reputation von anderen. Dass hier Leute ins Spiel gebracht werden, die seit langem seriöse Arbeit in seriösen Häusern machen und wirklich etwas anderes zu tun haben, als sich die Wiener Dummheiten zu geben, ist jenseits aller Wahrnehmung. Die lächerlichste Figur in dem ganzen Spiel, diejenige, die das Schranzentum offenbar immer noch für politische Raison d’Etre hält, ist die Frau Minister. Als befänden wir uns nach wie vor im Ancien Regime, wird hier auf Arkanpraxis gemacht und die Höflingsmentalität, die in Wien ohnedies überbordet, geradezu gezüchtet. Als wäre nichts wichtiger als das Bulletin aus dem Boudoir der Frau Schmied, wird gegiert und gegeifert nach dem allerhöchsten Ausdruck, aus dem sich ein Hinweis herauslesen lässt, eine Geste ministerieller Gnade. Die Frau Minister macht nicht nur nichts gegen derlei Augurentum aus dem Geist von vor vierhundert Jahren, mit ihrem Obskurantismus fördert und züchtet sie es. Mit der Demokratie hat man es in Österreich noch nie so recht gehalten, mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen ebenso wenig. Was jetzt die dritte Gewalt, die Exekutive, im Verein mit der vierten, dem Journalismus, vorführt, ist allertiefste Etage. Doch passt das ja zum Status Quo. Insofern ist die Mumok-Besetzung tatsächlich von höchster Signifikanz.

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