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Park & Fly

Peter Fischli, David Weiss: aus: Airports, Cibachrome, 160 x 225 cm, Courtesy Matthew Marks Gallery, New York & Galerie Eva Presenhuber, Zürich & Monika Sprüth Philomene Magers, Cologne/Munich/London War ich mal wieder in Wien. Ich will aber jetzt nicht davon erzählen wie es war in unser aller Leib- und Magenmetropole, sondern davon, wie ich hin gekommen bin. Und wieder zurück. Ich wohne ja seit geraumer Zeit an einem Fleck, der sich eher links hinten auf der Weltkarte befindet. Doch gibt es so etwas wie Erlösung, seit ein Direktflug eingerichtet ist. In dreieinhalb Stunden von Haustür zu Haustür: Ich steige ins Auto, fahre zum Flughafen, besteige die Maschine, nehme in Schwechat den Bus zum Schwedenplatz und geh zu Fuß über den Kanal in meinen zweiten Bezirk. Perfekt. Bisher ist der Flieger noch immer überpünktlich gewesen, der Rekord ist mehr als eine halbe Stunde früher als vorgesehen. Mein Flugticket bzw. das, was davon übrig geblieben ist, nämlich der Ausdruck des Bestätigungsmails, weist den Preis aus. 83 Euro. Hin und zurück. Mit Steuern, Gebühren, Kerosinzuschlag und Kreditkartenkosten. Da wäre vermutlich, weil man was zu essen braucht und womöglich eine Übernachtung, per Anhalter fahren teurer. Die Billigfluglinien wissen mit ihrem Pfund zu wuchern. Sie kaufen en gros die Boeings und Airbusse, die ohnedies subventioniert sind, kassieren riesige Mengenrabatte, sie verkaufen die Flieger einzeln weiter und erzielen dabei Preise, dass am Ende sogar noch ein Gewinn pro Maschine möglich ist. Vor allem aber lassen sie sich bezahlen, dass sie Provinzflughäfen bedienen. So wie meinen. Die Verträge sehen meistens so aus, dass die Ryanairs, Air Berline und Germanwings im Gegenzug garantieren müssen, dass das Fluggastaufkommen kontinuierlich steigt, damit das Personal und die Infrastruktur am Laufen bleiben. Um das zu erreichen, müssen sie die Flüge immer billiger machen. So wie meinen. Der Preis ist am Flughafen zu entrichten. Ökonomisch und ökologisch. Ein halber Liter Mineralwasser hat mich zwei Euro siebzig gekostet. Konkurrenzlos teuer ist allerdings das Parken. Zwei Tage PKW auf der Wiese abstellen – das einzige, was da an Zivilisation zu erkennen ist, sind der Kassenautomat und die Schranke an der Ausfahrt – summiert sich auf stolze 23 Euro. Inklusive Mehrwertsteuer. Ein Flug nach Wien, so in etwa 1500 Meilen, hin und zurück, mit Ölverknappung und Umweltbelastung macht 83 Euro. Zwei Tage Auto ins Brachland stellen, ohne irgendeinen Service, ohne Ölverknappung und ohne Umweltbelastung, macht 23 Euro. Man muss nicht die Finanzkrise im Auge haben, um festzustellen, dass etwas nicht stimmt mit dem Kapitalismus.

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