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Olympische Spiele

Was waren das für emphatische zwei Wochen. Viel zu oft bin ich vor dem Fernseher hängen geblieben, zur abendlichen Sendezeit, die besser nicht sein konnte, um sich vom heiligen Ernst dessen, dass es nur um Belangloses geht, mitreißen zu lassen. Die soeben zu Ende gegangenen Olympischen Spiele in Vancouver waren ein perfektes Plädoyer für solche Veranstaltungen erstens in einer großen Stadt und zweitens in einem freien Land (ich muss gestehen, dass zu einer gewissen Portion des Vergnügens auch die Lektüre der Postings im „Standard“ beigetragen hat, in denen auf nachvollziehbar erfolglose Weise versucht wurde, sich national-narzisstisch mit dieser seltsamen Veranstaltung ins Benehmen zu setzen, in Versuchen, die genüsslich sabotiert wurden durch die zahlreichen Einwürfe von sichtlich aus Deutschland stammenden Usern). Was haben wir gelernt aus diesen vierzehn Tagen? Erstens, dass das Anti-Kanonische weiter Einzug hält und gegen das angestammte Prestige von Disziplinen wie Rodeln oder Biathlon, deren Anzahl der Sportler weltweit wenige Tausend beträgt, Wellness-Aktivitäten wie Snowboard oder Free-Style gesetzt werden, in denen sich Kombattanten aus Winter-Großmächten wie Australien durchsetzen, die ihr Training mutmaßlich in der Brandung des Pazifik oder an den Liftanlagen von Ayers Rock absolvierten. Die Maskottchen für die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver: Big Foot Quatchi, das mystische Wesen Sumi und der Seebär Miga Zweitens, dass die Welt sich nach wie vor in einem Mechanismus befangen sieht, der zwischen Aus- und Entdifferenzierung schwankt: Hier eine kleine Liste, wie es bisher zuging in den Medaillenspiegeln der Winterspiele: In Calgary 1988 sind die 46 Goldmedaillen, die es gab, an 11 Nationen gegangen, 1992 in Albertville die 57 an 14 Nationen, 1994 in Lillehammer deren 61 ebenfalls an 14 Nationen; 1998 in Nagano verteilten sich 69 Goldmedaillen auf 15 Länder, 2002 in Salt Lake City deren 80 auf 18 und 2006 in Turin 84 Goldmedaillen ebenfalls auf 18 Nationen. Jetzt, in Vancouver, werden 86 Goldmedaillen an 19 Nationen gehen. Es werden mehr Länder, vor allem aber werden es mehr Plaketten. Letztlich ist es doch, bei allem Anschein von Polyphonie, eher ein Konzentrierungs- als ein Diversifizierungsprozess. Der Kapitalismus zeigt einmal mehr, wie er so drauf ist. Apropos. Drittens ist zu lernen, dass die Gier die Gemüter unverdrossen in ihrem Bann hält. Zwar drehte sich die Ökonomie, um die es hier ging, für glückliche 14 Tage um die gelinge Nutzlosigkeit von Platzierungen und Gratifikationen, die es dafür gab. Der Ehrgeiz, Erfolge an sich zu raffen, war aber um nichts geringer als in den unseligen Jahren, die zur Finanzkrise führten. Rücktrittsforderungen und präsidiale Interventionen, Triumphgeheul und Master-of- the-Universe-Allüren gab es in jedem Dorf, als habe es gegolten, die Londoner City zu taxieren. Nichts ist anders, alles ist anders: Das sakrale Spiel ist vorbei; die Dreistigkeit, die waltet, darf jetzt wieder profan sein.

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