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Vancouver, die ewige Stadt

Alle Welt blickt auf Vancouver. Dort gibt es gerade olympische Spiele. Was es schon länger gibt dort, ist außergewöhnliche Kunst, und das soll jetzt ein paar Zeilen wert sein. Mit Ian Wallace, Jahrgang 1943, Jeff Wall, geboren 1946, Rodney Graham, 1949, und Ken Lum, Jahrgang 1956, hat sich im Westen Kanadas eine illustres Quartett entwickelt, das aus der orthodoxen Conceptual Art kam und dann seit Ende der Siebziger befolgte, was Douglas Crimp ein „reinvesting in the pictorial image“ nannte. Entsprechend der Rückkehr zu den „Pictures“ loten die vier seither die Dimensionen und die Grenzen von Bildlichkeit aus, und forcieren die Narration (Wall), Text-Bild-Kombinationen und Emblematik (Lum und Wallace), oder suchen gattungsübergreifend die ultimative mediale Umsetzung (Graham). In den Neunzigern ist eine neue Generation hinzugekommen, namentlich Roy Arden, geboren 1957, Vikki Anderson, 1959, vor allem natürlich Stan Douglas, Jahrgang 1960, der Video-Artist mit allen Charakterzügen eines Pioniers, sowie Stephen Waddell, geboren 1968. Jeff Wall, The Bridge 1980, Dia, Lichtbox Vancouver zum Motiv und damit zum Thema machen vor allem Wall und Arden. Seit Wall seine Szenerien auch im Freien anlegt, seit 1980, als „The Bridge“ entstand, sind die Stadt und ihr Umland als Milieu abgesteckt. Es ist weniger malerisch als verwüstet, was sich hier zeigt, weniger intakt als entropisch, es ist zersiedelt, uniformiert, devastiert vom gleichmacherischen Elan eines International Style. Als Robert Smithson sich 1967 in die Vorstadt von New York aufgemacht hatte, zu seiner „Tour of the monuments of Passaic“, stellte er sich angesichts des Allüberalls von Halden und Hütten die Frage: „Has Passaic replaced Rome as The Eternal City?“ Das Vancouver Jeff Walls beansprucht in diesem Sinn seinen Status als die Ewige Stadt. Roy Arden wiederum greift Smithsons Ästhetik explizit auf, fotografiert Schrottplätze und Schrotthäuser und all die Relikte einer zu spät gekommenen Zivilisation. Kein Wunder, dass dabei zum Beispiel 1996 „Monsterhäuser“ ins Visier geraten. Roy Arden, Monster House, Coquitlam, B.C., 1996, C-Print Wie über die meisten seiner Kollegen aus der Heimatstadt hat Wall auch über Arden einen umfänglichen Text publiziert. 1993 ist er erschienen, darin heißt es über die Gegend, die nun weltweit bekannt wird: „Künstler und Zuschauer in Vancouver werden allmählich auf unseren eigenen brutalen Romantizismus aufmerksam, in dem sich die Siegespose unserer eitlen Freizeitvergnügungen auf den Bergen und Inseln und am Strand verrät und der Jubel über die Misshandlungen, die der Natur von uns zugefügt werden, welche ihrerseits weiterhin ihre beruhigende, heilende Hülle zeigt. Diese Naturerscheinung ist der auf den Einwohnern von British Columbia lastende Fluch des dienstbaren Geists des Weltmarkts, der Stürme des Merhwerts und verfehlter Herrschaft über das Land jagt.“ Vancouver hält, das ist der Stadt im Vorfeld der olympischen Spiele durchaus gutgeschrieben worden, nicht hinter dem Berg mit seinen Problemzonen. Der Berg, an dem sie die Alpin-wettbewerbe austragen, ist eine davon. Das Fernsehen wird zeigen, was die Künstler längst gezeigt haben.

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