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Maria Lassnig - Eine andere Dimension: Widerpart Vibrator

"Skulptur ist das, wo man dagegenrennt, wenn man einen Schritt zurückmacht, um ein Gemälde zu betrachten." Barnett Newmans wunderbares Bonmot mag beispielhaft dafür stehen, dass sich die Moderne insgesamt durchaus schwer tat mit dem Dreidimensionalen. Man musste schon Picasso sein, um dem Plastischen ähnliche, wenn nicht größere Qualitäten abzuringen wie dem Flachen. Maria Lassnig ist nicht Picasso. Das ergibt bereits ein erster Blick auf die Skulpturen in Gestalt von ziseliertem Stein, gekneteter Bronze und bemaltem Aluminium, die sie momentan in der Galerie Ulysses ausstellt. Die "andere Dimension", so der Titel der Schau, erschließt keine neue. Österreichs bedeutendste Malerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts ist nicht hoch genug zu loben für ihren heroischen Verzicht auf alles Expressive, das hierzulande immer noch Urstände feiert. Während die Kollegen das Innere nach aussen stülpen - Kokoschka die Nerven, Brus das Blut oder Frohner die Eingeweide - lässt Maria Lassnig Eindrücke durch sich hindurch passieren - durch sich hindurch, das heißt durch Herz und Fleisch. Im säkularen Streit zwischen dem Expressiven und dem Impressiven hat sie sich von jeher für das Letztere, das Bessere entschieden. Bei Maria Lassnig wird nicht aus-, sondern abgedrückt. Die Malereien, die ebenfalls bei Ulysses gezeigt werden, sprechen ganze Enzyklopädien davon. Wie aber drückt sich ein Körpergefühl ab, wenn man es mit einem körperhaften Medium, der Skulptur, zu tun hat? Was spürt man im Widerpart einer amorphen Masse aus Teigigkeit? Wozu dienen Dimensionen im Anblick statuettenhafter Kammerstücke? Diese Miniaturen sind bestenfalls illustrativ und durchweg banal. Der Höhepunkt an Verwegenheit wird erreicht, wenn sie aussehen wie Dildos. Es hilft nichts, das Medium der klassischen Moderne, die Malerei, ist und bleibt auch jenes von Maria Lassnig. Sucht man nach einem plastischen Pendant für Lassnigs Körperbilder, dann sollte man sich in einer anderen Generation umtun. Fündig wird man bei den Passstücken von Franz West.
Maria Lassnig - Eine andere Dimension
08.06 - 26.07.2002

Galerie Ulysses
1010 Wien, Opernring 21
Tel: +43 (0)1 / 587 12 26, Fax: +43 (0)1 / 587 21 99
Email: ulysses@galerie-ulysses.at
http://www.kunstnet.at/ulysses
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18, Sa 11-14


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