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VIENNAFAIR 2010: Recht artig

Auf der Viennafair 2010 präsentieren 114 Galerien ihre Künstler und Werke. Das Minus von 8 Galerien gegenüber dem Vorjahr wird durch das Plus am Zuwachs der teilnehmenden GaleristInnen aus dem Osten und die höhere Präsenz von tatsächlich junger Kunst wettgemacht. Die Prämisse der Messe, focused on CEE, wird durch die Anwesenheit von 33 Galerien aus Südosteuropa belegt, und besonders an diesen Ständen sind aktuellere Positionen, Film und neue Medien stärker vertreten. Ein Qualitätsgefälle gegenüber dem Westen ist keineswegs zu bemerken, vielmehr präsentieren sich gerade diese Teilnehmer mutiger und inhaltlich offener als so manche etablierte Galerie aus Österreich oder Deutschland: Themen wie Migration, Geschlechterrollen, Tradition und Religion werden weitaus deutlicher reflektiert, mit generierten Kunstformen in komplexen Diskurs gebracht, neu positioniert und zu künstlerischen Aussagen geführt. Ein solches Beispiel ist die Installation „Fluxes of Girls on Europe“ von Inci Eviner am Stand der Galerie Nev aus Istanbul. Auf drei Monitoren werden jeweils Satellitenaufnahmen von Frankreich, Deutschland und der Türkei gezeigt. Figuren, reduziert auf den Typus Frau, vollziehen darauf verschiedene rollen- und geschlechtspezifische Bewegungen, auf allen Bildschirmen durchaus austauschbar und monoton in dreiminütigem Loop. Durch Vektoren und Pfeile an der Wand wird die an sich schon komplexe Problematik um den Kontext der Migration noch erweitert, das digitale Moment medial kontrastiert und bereichert. Einer solchen Arbeit gegenüber stellt sich das Programm der meisten Aussteller eher konservativ und auf der sicheren Schiene dar. Daran ändert auch der augenfällige Hochstand von Mark Dion bei Georg Kargl nicht viel. Der Preis für die beste Standgestaltung der Wirtschaftskammer Wien als Established Gallery wurde Rosemarie Schwarzwälder, Galerie nächst St. Stephan, verliehen, die mit Herbert Brandl, Heinrich Dunst, Helmut Federle, Ernst Caramelle, Aneta Grzeszykowska u.a. Klassiker von anerkannter Qualität präsentiert. Ihr Sohn, Nikolaus Oberhuber, erhielt mit seinen Partnern Alexander Koch und Jocellyn Wolff (Berlin) die Auszeichnung als Emerging Gallery - „für den Mut und das Durchhaltevermögen“ und „die außergewöhnliche multimediale Standgestaltung als künstlerische Produktionsstätte“: Gezeigt wird ein Video, umrahmt mit Ausdrucken von Filmstills und einzelnen Textpassagen aus dem Video. Die familiäre Verbindung der beiden Preisträger ist „reiner Zufall“. Ist es auch reiner Zufall, dass eine ganze Gruppe von renommierten Wiener Galerien auf der Viennafair 2010 nicht vertreten ist? Oder gibt es Zusammenhänge zwischen dem Fernbleiben von Meyer-Kainer, Janda, Mezzanin, Steinek, Bucher, Engholm und möglichen Interessenskonflikten innerhalb der Wiener Galerienszene? Und ist es genauso reiner Zufall, dass sich die Viennafair 2010 zwar nicht mit einem gänzlich unbefriedigenden Angebot, aber doch frei von aufregenden oder radikaleren künstlerischen Positionen darbietet? - Na, vielleicht wird die Viennafair 2011 den postulierten Ansprüchen der Plakate – gross-art-ig, bös-art-ig, neu-art-ig - besser gerecht!
VIENNAFAIR 2010
06 - 09.05.2010

Messe Wien
1020 Wien, Messezentrum Wien Neu, Halle A
http://www.viennafair.at
Öffnungszeiten: Do 11 - 19 h; Fr 11 - 21 h; Sa 11 - 19 h, So 11-18 h


Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
Mag.
Biowski Anita | 07.05.2010 08:25 | antworten
Durch den Beitrag im Artmagazin kann ich mir ein gutes Bild machen und meinen Besuch auf der ViennaFair auf kommendes JAhr verscheiben
wird es ein nächstes- geben ?
steinderweisen | 18.05.2010 02:31 | antworten
im wahrsten sinn d. w. "verscheiben"

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