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Helga Philipp - Poesie der Logik: Helga Philipp zu Ehren

Im Landesmuseum in St.Pölten wird ein Versäumnis nachgeholt, indem im Zusammenhang mit der Neuaufstellung der Sammlung und der Neugestaltung des Eingangsbereiches mit einer umfassenden Retrospektive an die ganz besondere Künstlerin Helga Philipp erinnert wird. Allzu selten hat man in den letzten Jahren ihre Werke in Ausstellungen gesehen, obwohl Otto Mauer sie in seiner Galerie Nächst St. Stephan zeigte, sie in den 1960er Jahren in zahlreichen Ausstellungen präsent war und sie in nahezu allen österreichischen Museen, wie dem Museum moderner Kunst oder dem Belvedere und in großen Privatsammlungen wie der von Herbert Liaunig vertreten ist. Es wurde still um diese stille Künstlerin, die sich nie in den Vordergrund drängte und die im Zuge der immer lauter werdenden, nach immer neueren Trends gierigen Kunstszene keinen Platz mehr fand - und auch nicht suchte. Sie widmete sich der Renovierung ihres Hauses in Ternitz, einem Bau des Ringstraßenarchitekten Theophil Hansen, das zu ihrem Atelier wurde und mehr und mehr auch zum privaten Museum. Und sie widmete sich dem Lehramt, indem sie von 1965 bis 2002 an der Hochschule für angewandte Kunst lehrte. Schüler von ihr waren unter anderen Brigitte Kowanz und Alfred Graf, Heimo Zobernig und Gerwald Rockenschaub. Mit Erika Giovanna Klien und Hildegard Joos gehört Helga Philipp zu den ganz wenigen Künstlern in Österreich, die sich einer ungemein strengen aber gleichwohl außerordentlich originellen Kunstsprache bedienen, die Schubladen heißen zwar Kinetismus, Op-Art, Minimal Art oder Konzeptkunst - aber was sagt das schon über ein Lebenswerk, in welche kunsthistorische Normierung etwas passt. Es ging ihr um die Klarheit der Form, um die Schönheit der Abstraktion, um die Logik der Geometrie und letztlich um die Poesie, die allemal da entsteht, wo sich Inhalt und Form in einer spirituellen Weise treffen. Ohne Attitüde, ohne Eitelkeit, nur mit der Kraft des künstlerischen Wollens und Könnens. Helga Philipp hätte in diesem Jahr ihren 70ten Geburtstag gefeiert. Sie ist 1939 geboren und studierte bereits als 14 Jährige Bildhauerei, setzte sich mit dem Raum auseinander, den sie aber dann weniger bildhauerisch als malerisch umkreist. Sie erhielt Preise und Ehrungen, nach frühen Präsentationen und langen Pausen auch späte Ausstellungen - eindrucksvoll beispielsweise im Heiligenkreuzerhof 1997 und in Alpbach 2000 - und Aufträge der öffentlichen Hand. Aber ihr Name war nur jenen geläufig, die sich ernsthaft mit der Kunst unserer Tage auseinandersetzen. 2002 zog sie sich von der Angewandten zurück, um sich ganz ihrer Malerei zu widmen, die in den letzten Jahren neben dem strengen Schwarz-Weiss auch wieder Farbe bekam. Nur wenige Monate später, im November 2002, ist sie gestorben. Helga Philipp sagte zu ihrer Kunst: „Unverändert ist mein Anliegen des Dialoges zwischen Objekt und Betrachter. Ist es doch zuerst mein Dialog mit dem Objekt.“ Und so erwartet sie auch vom Betrachter, dass er den Dialog aufnimmt, dass er sich einlässt auf das Werk, denn seine Bereitschaft Wahrnehmung nicht nur zuzulassen, sondern Veränderung zu akzeptieren, ist letztlich ein wesentliches Anliegen der Kunst überhaupt. Des Künstlers Erkenntnis ist sein Werk, das der Betrachter mit seiner Erkenntnis vollenden muss. Zur Ausstellung wurde ein umfangreicher Katalog aufgelegt, der eindrucksvoll den Werdegang der Künstlerin belegt. Mit dem Buch und den 250 Bildern der Ausstellung, aus den niederösterreichischen Landessammlungen, aus der Angewandten und aus dem Nachlass, wird hier eine bedeutende Künstlerin wieder in den Mittelpunkt gestellt.
Helga Philipp - Poesie der Logik
15.11.2009 - 24.05.2010

Museum Niederösterreich
3109 St. Pölten, Kulturbezirk 5
Tel: +43 2742 90 80 90-998, Fax: +43-(0)2742-90 80 91
Email: info@museumnoe.at
http://www.museumnoe.at
Öffnungszeiten: Di - So 9-17 h


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