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Videorama - Kunstclips aus Österreich: (Videonation) Gerettet!

Wie der Titel schon andeutet, widmet sich Videorama in der Kunsthalle Wien ausschließlich dem künstlerischen Video und zeigt heimische Produktionen der letzten zehn Jahre, die in weiterer Folge die Welt von New York bis Hongkong bereisen sollen. Die Kunstüberproduktion unserer Gegenwart, und hier insbesondere der Überschuss an gedrehten und verdrehten Videos, den Angela Stief in ihrer kuratorischen Handlungsart in Anknüpfung an die Praxis eines DJ selbstbewusst zähmt und fesselt, kann bei manchen BesucherInnen der Ausstellung ein Gefühl von raumgreifenden audiovisuellen Horrors herbeiführen. Die hier stattfindende Zelebration des „Kunstwertes des Laufbildes“ (Kuratorin Angela Stief) macht deutlich, dass unser mediatisierter Alltag die Grenze von der Macht des Panopticon zum Sensorium-Prinzip längst überwunden hat. Die Ausstellung wird eröffnet von einer statischen Animation mit dem an historische Reminiszenzen reichen Image einer stilvoll brennenden Kerze, das sich sowohl an die stillschweigende hehre Kunst der Malerei als auch an das Sonic-Youth Album Daydream Nation beruft. Und es ist ein Deckmantel und doch der Lockvogel für Nichteingeweihte. Die übliche repressive Dunkelheit der abgedämmten Videokammer, die noch vor kurzem den Überblick über die Videoszene in der Secession prägte, ist in dieser Show allerdings passé. In sechs thematischen Kapiteln werden statt Kontemplation und Isolation abwechslungsreiche Ambiente choreografiert. Es gilt sich durch simultanes Schauen Quervergleiche zwischen mehreren Videoclips auf der Basis der orchestralen Relationen zwischen Bild-Ton-Text seine eigenen Schlüsse zur „Gesellschaft der Bildschirme“ zu ziehen. Darüber hinaus wird man dank winziger Monitore informiert, wie lange der jeweilige Film noch dauert und welche weiteren spannungsvollen „Metaszenarien“ man noch zu erleben hat. Die Ausstellung startet mit den alltäglichen zwerghaft-kabarettischen Aktivismen und Performances einiger junger österreichischer Künstler im öffentlichen Raum, die als Dokumentationen auf Kleinscreens aufblitzen und endet mit einer nächtlichen Projektion, die eine Anzahl von Schneeraupen in einer winterlichen Alpenlandschaft bei ihrer sowohl sinnvollen als auch sinnlosen Arbeit in orientierungslos wirkenden Bewegungen festhält. Dazwischen wechselt die Regie von rapid Gesampeltem und Abstraktem über Clips, die kunstvolle und reale Angst und Abneigung erzeugen oder das surreal Narrative aufs Neue transformieren. So eine Form der Mischung aus emotionaler und disziplinierter Klassifizierung des Archivs „Artclips from Austria“ bietet ebenfalls eine gute Gelegenheit, sich die künstlerische Überproduktion der Gegenwart eindringlicher anzuschauen: im Alltag erinnern wir uns nur an diese wenigen hervorragenden KünstlerInnen, weil wir vergessen, dass sie von unzählig anderen umgeben sind. Und was die Einzelnen nicht hochbringt, schmiedet vielleicht die Masse.
Videorama - Kunstclips aus Österreich
04.11.2009 - 10.01.2010

Kunsthalle Wien Museumsquartier
1070 Wien, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 521 89-0
Email: office@kunsthallewien.at
http://www.kunsthallewien.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-19, Do 11-21 h


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