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Art Albertina: Und Schuld ist der Messensee...

Das Erstaunen über den Verlauf des Eröffnungsabends hielt bei Karl Schwind (Galerie Schwind / Frankfurt, Leipzig) auch noch am nächsten Tag an. Nicht nur wegen des Publikumansturms. Wechselten doch gleich drei seiner zur Premiere der „Art Albertina“ mitgebrachten Schützlinge während der Vernissage den Besitzer, darunter auch Michael Triegels mit 17.000 Euro dotiertes zeichnerisches Großformat „Wandlung“. Immerhin, die Käuferin ließ mit sich reden, und der Blickfang darf noch bis zum Ende der Messe hängen bleiben. Besondere Kauffreude ortete auch Philip Konzett (Wien), bei dem sich nicht nur Künstler, sondern auch Sammler bedienten: mehrere Arbeiten von Dieter Roths, acht Räucherbilder von Christian Eisenberger zählt der Galerist auf, ach ja, und ein früher Otto Muehl von 1962 sei auch schon reserviert. Vier Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner wechselten bei Henze-Ketterer (Bern) den Besitzer, zwei davon reichte Wolfgang Henze an Kollegen weiter, die beiden anderen in Wiener Sammlungen. Klaus-Albrecht Schröder hat seine Lieblinge längst erkoren: es sind dies die 120.000 Euro teuren „Sirenen“ von Frantisek Kupka (Galerie Berès, Paris) oder ein herrlicher Georges Rouault für 248.000 Euro (Galerie Michael Haas, Berlin). Bloß die Sponsoren werden in Ermangelung eines Ankaufsbudgets noch gesucht. Hohe Wertschätzung auf dem internationalen Markt Die erste Zwischenbilanz bei Verkäufen ist viel versprechend, wenn auch nicht das Maß aller Dinge, denn das vielseitige Angebot allein wird dem Renommee der Albertina schon gerecht. Zur Fraktion der Glücklichen gehören nahezu alle aus dem Ausland angereisten Aussteller sowie die heimischen Galeristen. Die lokalen Vertreter des Sekundärmarktes hoffen dagegen auf regen Andrang am Wochenende. Insgesamt ist die Stimmung sowohl unter den 27 Teilnehmern, als auch unter den teils angesichts der Qualität des Angebots freudig überraschten Besuchern ausgezeichnet. Und das macht vor allem eines deutlich: Trotz der Vielzahl an in Österreich und im deutschsprachigen Raum etablierten Kunstmessen, exakt ein solches Format hat gefehlt. Der Ursprung dessen hängt recht unscheinbar zwischen den Schätzen von Manfred Lang. Es ist eine Zeichnung von Jürgen Messensee aus dem Jahr 1985. Damit, so der Galerist, hat alles seinen Anfang genommen. 3.300 Euro kostet der Messepate, dem ein Konzept und trotz wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen eine Umsetzung gelang. Der jedes Frühjahr in Paris stattfindende „Salon du Dessin“ diente als Vorbild, hätte es aber gar nicht bedurft. Denn die Idee ausschließlich auf das Medium Arbeiten auf Papier zu fokussieren ist tadellos, der Zeitpunkt schon wegen der preislichen Attraktivität ebenso. Dass die TEFAF (Maastricht) vor wenigen Wochen die Erweiterung um dieses Segment ab 2010 verlautbarte spiegelt mehr als alles andere die Wertschätzung dieses Segments auf und für den Kunstmarkt. Mit ihrem Debüt hat sich die „Art Albertina“ schon jetzt bewährt. Die Anzahl an internationalen Ausstellern könnte zwar künftig das Dutzend übersteigen, bloß auf wen der 15 Teilnehmer aus Österreich wolle man bloß verzichten? Denn die rund 1000 Quadratmeter der Propter Homines Halle sind vorteilhaft – und mit Cassis-farbenem Bodenbelag und grauem Stellwänden besonders elegant – genutzt. Wer will schon eine Vervielfachung der Kojen Zulasten einer Legebatterien-Atmosphäre? Und angesichts des angebotenen Spektrums, das internationale wie nationale Kunst aus mehreren Epochen berücksichtigt, ist man als versierter Kunstinteressent wohl zu keinerlei Verzicht bereit.
Art Albertina
22 - 27.09.2009

Art Albertina
1010 Wien, Albertinaplatz 1
http://www.artalbertina.com
Öffnungszeiten: 10-18 h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Klaus Albrecht Schröder im Interview
Zchromosom | 05.10.2009 04:45 | antworten
Ich habe auf CastYourArt ein Videointerview mit dem Chef höchstpersönlich entdeckt...:http://www.castyourart.com/index.php/2009/09/24/artalbertina-kunstmesse-zeichnung/

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