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Heinzl zum ORF

Hätte ich es mir denken können. Hab ich den Heinzl mit dem Wrabetz sitzen sehen, vor einigen Wochen, als ich im MAK-Restaurant war. Wer gesehen werden will, der sieht auch. Haben sie also dort verhandelt, und als Ergebnis macht der Heinzl seine Spurensicherungen am Speziellen der Gesellschaft jetzt wieder öffentlich-rechtlich. Ich allerdings hätte da einfach ins Wettbüro gehen und einen Fünfhunderter auf die neuen Entwicklungen setzen sollen. Ein solches Geld ist mir schon einmal durch die Lappen gegangen, als ich einen bekannten Fußballtrainer in einem Lokal einer Stadt mit Bundesligamannschaft beobachten konnte, einer Stadt, wo der eigentlich nichts verloren hatte. Ein paar Wochen später war die Mannschaft ihren alten Trainer los, der andere ist gekommen, und wieder habe ich nichts verdient bei den Buchmachern dieser Welt. Bin ich eben kein Promi-Spezialist. Das heißt, bin ich eben so einer wie der Heinzl oder seine anderen Freunde vom Fernsehen, die die Helden der Hemisphäre auch nur dann ins Visier bekommen, wenn es nichts bringt. Wenn die sich so vor die Kamera stellen, dass es absolut nicht zu vermeiden ist, sie aufzunehmen und um die telegene Meinungsspende zu bitten. Das ist dann, was Robert Pfaller in die schönen Worte „Ich weiß zwar, dennoch aber“ kleidet und so funktioniert, dass alle wissen, dass der Heinzl völlig unbedeutend ist, und der Heinzl weiß, dass seine Gesprächspartner völlig unbedeutend sind, aber alle so tun, als ginge das jeweilige Gegenüber vom glatten Gegenteil aus. So entsteht die Besonderheit erst, die zu dokumentieren und verkörpern man unermüdlich unterwegs ist. Weil Österreich ein kleines Land ist, weil man einander mit größerer Wahrscheinlichkeit kennt als anderswo und weil es auch mit der Prominenz nicht so weit her ist wie in Nationen mit großer Unterhaltungs-, Fitness- und Vergnügungsindustrie, liefern die Heinzls der Republik dem Fernsehpublikum das unmittelbare Versprechen, es irgendwann einmal selbst dahin zu bringen, wo der Glamour und die Papparazzi warten. Die Society-Magazine sind das perfekte Medium für die Verbreitung von gesellschaftlicher Egalität. Gehörigen Anteil an diesem gleichmacherischen Elan haben die Schauplätze, die man abkonterfeit. Zum erklecklichen Teil sind die Kameras entlang der diversen warmen und kalten, jedenfalls überquellenden Buffets aufgebaut, die einen Abend garnieren. Jeder, der sich was reinschiebt, hat entsprechend das Zeug zum Promi. Angeblich hat ein herausragender Industrieller des Landes seine ureigenen Blumenverkäufer. Die sollen weniger Rosen an die Damen bringen als in den Lokalen feststellen, wer wo mit wem sitzt und womöglich verhandelt, und das dann dem Herrn Auftraggeber weitertragen. Das ist wahre Spitzfindigkeit. So bringt man es zu was. Unsereiner schafft es noch nicht mal ins Wettbüro. Und die vom Heinzl schaffen es auch nur vors Mikrofon.

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