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Markus Schinwald - Vanishing Lessons: Ein rebellisches Lächeln

Das Kunsthaus Bregenz leistet sich mit der neuesten Ausstellung von Markus Schinwald einen programmatischen Ausreißer. Statt Stars mit bereits kunsthistorischer Platzierung, wie das hier in Bregenz üblich ist, hat sich das Haus für einen sehr erfolgreichen, aber noch jungen Künstler geöffnet. Für diese bislang größte Ausstellung von Markus Schinwald spielt das Haus am Bodensee alle Stückeln: mit Haustechnik, regionalen Handwerkern und Spezialisten, bis hin zu JoMolitoris, dem Kameramann von U2 und den Red Hot Chili Peppers, arbeitete ein großes Team an der gegenwärtigen Ausstellung. Der in Salzburg geborene, jetzt in Wien und Los Angeles lebende Künstler hat die drei Stockwerke des Kunsthauses in Bühnenstudios für sogenannte „Sitcoms“ verwandelt. Schinwald liebt diese Form der US-amerikanischen Unterhaltungskomödie bei der alltägliche Situationen komisch durchgespielt werden, und dabei dieses signifikante Konserven-Lachen ertönt, das dem Publikum signalisiert, dass eben wieder eine Pointe passiert ist. Im Kunsthaus gibt es im ersten Stockwerk eine guckkastenartige Bühne, im zweiten Stock gruppiert sich eine durchlässigere Bühnenarchitektur um eine in zwei Teile zerschnittene (Begräbnis)Kutsche und im dritten Stock gibt es kaum mehr als eine Bühnenhintergrundarchitektur, zentral sind hier drehbare Raumelemente, die an Turngeräte erinnern. Dabei ist die Multifunktionalität dieser drei Bühnen, die eigentlich große Installationen sind, sehr augenfällig: Der Betrachter sieht im ersten Stock ein bürgerliches Wohnzimmer, das augenscheinlich nur vorgibt ein Wohnzimmer zu sein. Die begehbare Skulptur kann aber genauso als Ausstellung aufgefasst werden, in der jene typischen Schinwald Porträts zu sehen sind, in denen der Künstler Porträts aus dem 19. Jahrhundert subtil manipuliert, und im Sinne Sigmund Freuds Neurosen sichtbar zu machen. An drei Drehterminen werden Laienschauspieler und Schauspieler, die analog zu Shows wie „Starmania“ gecastet wurden, diese drei Bühnen bespielen und das Ergebnis wird dann im jeweiligen Stockwerk auf Flatscreens übertragen. Dabei wird Schinwald Verfremdungseffekte setzten, wie sie von Berthold Brecht oder Jean Luc Godard praktiziert wurden und auch in der klassische Sitcom eingesetzt werden: Ein auf einem Schrank sitzender Schauspieler, zwei Verwirrung stiftende, eineiige Zwillinge und Turner, die auf eigenartigem Gerät seltsame Bewegungen ausführen. Diese Unterbrechungen des Rituals werfen den Betrachter auf sich selbst zurück, und öffnen das Denken für Neues. Und Schinwald selbst? Zur Pressekonferenz trug er einen ungebügelten schwarzen Anzug und dazu silberfarbene Turnschuhe. Fragen beantwortete er mit Understatement, cool und professionell. Das Rebellische seiner Arbeit verbindet er mit einem sympathischen Lächeln.
Markus Schinwald - Vanishing Lessons
14.02 - 13.04.2009

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr


Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
Bitte um fundierte Recherche
Karin Pernegger | 21.03.2009 01:40 | antworten
Ich bitte zukünftig um fundierte Recherche: 1) Die Ausstellung ist keinesfalls ein programmatischer Ausreißer, sondern steht in einer programmatischen Tradition des Hauses, in nicht festgesetzten Abständen junge österreichische Kunst zu zeigen. Begonnen wurde dies mit Hans Schabus 2004, Tu Felix Austria 2005 mit Marko Lulic, Gregor Zivic, Dorit Margreiter, Six/ Petrisch und 2006 mit Gelitin, die ürsprünglich für "Tu Felix Austria" eingeladen waren, aber nur eine Einzelausstellung zusagten. 2) Ich möchte nicht um Quadratmeter feilschen, bezogen auf Ihren Kommentar, es sei die bisher größte Ausstellung von Markus Schinwald im KUB. Überblickt man seinen Lebenslauf bemerkt man schnell, dass der Künstler schon mehrfach erfolgreich Einzelausstellungen in Ausstellungshäuser vergleichbarem Zuschnitt absolviert hat: 2008 Migros Museum Zürich, 2007 Galerie d ´Arte Moderna Bologne, 2006 argos Brüssel, 2004 Frankfurter Kunstverein, u.a. Bei allen Ausstellungen wurde jeweils die gesamte Ausstellungsfläche bespielt. 3) Missverständlich ist ebenfall Ihre Aussage, das KUB hätte für Schinwald alle "Stückerl" gespielt: z.B. ist Jo Molitoris ein langjähriger Begleiter der filmischen Arbeit des Künstlers und damit nicht erst seit dem KUB dabei. Er drehte u.a. seit 2004 mit dem Künstler die Produktionen „Children´s Crusade“ und „1st part conditional“. 4) Womit belegen Sie Ihren Starmania-Vergleich, dass die Teilnehmer per öffentlichen Hearing und Telefon-Voting gefunden wurden? Zur Realisierung des Films im 1. Stockwerk wurden gezielt renommierte Vorarlberger Schauspieler eingeladen mitzuwirken. Im 2. Stockwerk wurden per Anzeige ältere Vorarlberger Zwillingspaare und im 3. Stock Vorarlberg Turner jeder Altersstufe gefunden. Dies sind nur eine handvoll Fakten, die ich kurz zusammenfassen und revidiert sehen möchte. Abschließend möchte ich nur mit Verwunderung die Frage stellen, warum Sie Markus Schinwald im Zuge der Pressekonferenz zwar als professionell antwortend aber mit zerknittertem Anzug beschreiben? Wo doch an Ihrem Artikel selbst noch so viel auszubügeln ist. Entschuldigen Sie bitte diese Polemik, aber gewisse Assoziationen gehen sprichwörtlich nach hinten los. Ich würde mir wünschen, dass eine Kunstberichterstattung über solche oberflächlichen und des Boulevard nahen Bilder Abstand nimmt und sich vertiefend dem Inhalt widmet. Mit besten Grüßen, Karin Pernegger, Leiterin der Stadtgalerie Schwaz
Antwort auf
Wolfgang Ölz | 09.04.2009 09:46 | antworten
Sg. Frau Pernegger, ich bedanke mich für die genaue Lektüre meines Textes. Nun meine Stellungnahme: ad 1.) Da muß ich Ihnen recht geben. Ich begleite das KUB-Bregenz zwar schon seit seinem Bestehen kulturjournalistisch, stehe aber persönlich mehr auf das kunsthistorisch-klassische. ad 2.)Das KUB Bregenz ist räumlich und auch von seiner Bedeutung her sicher das wichtigste Haus in der Biographie Schinwalds ad 3.)I fail your point: ich sage mit keinem Wort, dass Jo Molitoris kein langjähriger Begleiter des Künstlers ist. ad 4.) Bei der vorliegenden Kritik handelt es sich um eine, die sofort nach der Eröffnungspressekonferenz erschienen ist. Bei dieser PK waren die Filme noch nicht gedreht, es war auch noch nicht klar wie genau sie gedreht werden würden und Kurator Rudolf Sagmeister hat diesen Vergleich mit den Castings gebraucht. Ihre Abschließende Bemerkung: I fail your point: M.E. kann gerade ein Künstler einen zerknitterten Anzug tragen UND professionell antworten, od´r etwa nicht? Ihr Gefühl in Richtung Boulvard möchte ich mit dem Hinweis quittieren, dass dieser bzw. leicht geänderte Artikel auch in den Salzburger Nachrichten (Mo 16. Februar 2009, Siehe HP der SN)und in der Wiener Wochenzeitung "Die Furche" (Do 19. Februar 2009) erschienen ist. Es grüßt Sie Wolfgang Ölz http://search.salzburg.com/articles/3060019?highlight=%C3%B6lz

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