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2008: Zweitbeste Saison

Trotz leichter Flaute bilanzierten die Teilnehmer des österreichischen Kunstmarktes positiv. Noch. 2010 könnte (ob des erweiterten Folgerechts) Ungemach drohen. Folgt nach Jahren des kontinuierlichen Auf- jetzt der Abschwung? Selbst zum Abschluss der Saison 2008 liefert der heimische Kunstmarkt hierfür (noch) keine eindeutige Antwort. Seitens der Auktionshäuser hatte man nach den ersten sechs Monaten des Hammerschwingens noch auf leichte Umsatzzuwächse gehofft, immerhin begleiteten solche stets die Bilanzen der letzten Jahre, sogar, als das Nachbarland Deutschland an einer medial herbei zitierten Flaute laborierte. Mit den letzten Auktionen im Dezember – die rückläufigen Absatzquoten verwiesen zweifelsfrei auf gehemmte Kauflust – folgte also eine korrigierte Schlussrechnung: „Im Kinsky“ spielte 2008 über 20 Spartensitzungen ein Total von 19,2 Millionen Euro ein (2007: 21,4 Mio), das Dorotheum in rund 600 Einzelauktionen 108 Millionen Euro (2007: 123 Mio). Für beide Häuser sind es die zweitbesten Bilanzen in der jeweiligen Unternehmensgeschichte. Der Kunsthandel gibt sich indessen vorsichtig optimistisch. In Einzelfällen hätte es durchaus besser laufen können, nun ist es für diese gewiss, die fetten Jahre scheinen vorüber, das Publikum wird immer selektiver, der Qualitätsanspruch wächst. Für manch andere Vertreter dieser Branche waren die abgelaufene – und um ein neues Messeformat („Art Austria“) erweiterte – Saison sogar die beste bisher. Top: 19. Jahrhundert gefolgt von Klassischer Moderne Die Liste der zehn höchsten Auktionszuschläge in Österreich (siehe Tabelle) wird erwartungsgemäß von Friedrich von Amerlings „Mädchen mit Strohhut“ angeführt. Johann Kräftner sicherte sich diese Ikone des Biedermeiers, 2007 von der Österreichischen Galerie im Belvedere restituiert, für 1,5 Millionen Euro. Rudolf Leopold und ein britischer Telefonbieter hatten das Nachsehen. Auch den zweiten Platz hält ein Protagonist des 19. Jahrhunderts, Ferdinand Georg Waldmüller, dessen „Guckkastenmann“ im Kinsky erst unter Vorbehalt zugeschlagen und nach der Auktion über einen Privatverkauf den Besitzer wechselte – in der Liste wird deshalb der Vorbehaltszuschlag geführt. Der größte Unterschied zu den Vorjahren liegt weniger im Wertvolumen (2007: 6,54 Mio; 2008: 6,51 Mio) als in einer inhaltlichen Justierung: Kein einziges zeitgenössisches Kunstwerk schaffte es 2008 in Österreich in das Ranking der Top-Ten. Hingegen behielt das Segment Klassische Moderne – international mit der ebenfalls stabileren Sparte Impressionist & Modern Art vergleichbar – wie zuletzt die Oberhand. Wettbewerbsfähigkeit erhalten Und exakt hier droht mehr oder minder Ungemach. Ab 2010 soll die erweiterte Version des Folgerechts wirksam werden, die dann auch Werke verstorbener Künstler umfasst, die nicht länger als 70 Jahre tot sind. Von der Regelung ausgenommene Erstverkäufe existieren ja nicht, der Kunsthandel wird als einziger Teilnehmer des Marktes doppelt zur Kasse gebeten: beim Einkauf (sowohl von privat als auch über Auktionshäuser) sowie beim Verkauf, beide Male sind die EU-seitig verordneten Harmonisierungs-Tantiemen und der Handel zur Abfuhr verpflichtet: vier Prozent ab einem Nettopreis von 3000 Euro bis 50.000 Euro, danach gestaffelt bis zu maximal 12.500 Euro je Kunstwerk und Besitzerwechsel. Offiziell würde man das nicht den Käufern anlasten, inoffiziell vermutlich doch, jedenfalls aber reduziert sich die Gewinnspanne. Unter dem wachsenden bürokratischen Aufwand leidet besonders die Auktionsbranche, mit der erweiterten Form wird er massiv in die Höhe schnellen: von einer derzeit verhältnismäßig kleinen Gruppe von 50 Künstlern auf etwa 25.000 (täglich) zu aktualisierenden Datensätze, gibt Otto Hans Ressler („im Kinsky“) einen Ausblick, und in allen Fällen müssen die profitierenden Erben(-gemeinschaften) ihre Ansprüche ja rechtlich belegen können. Die Standesvertretung fand beim zuständigen Ministerium vor kurzem Gehör, der Wunsch, die Übergangsfrist bis 2012 zu verschieben wurde postalisch nach Brüssel übermittelt. Bis dahin müssen Lösungsmodelle erarbeitet werden, vor allem um die Wettbewerbsfähigkeit der Alpenrepublik zu erhalten. Auch, damit aus einer flauen Konjunktur nicht eine ausgewachsene Krise erblüht.

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