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Ach ja, der Jahresrückblick

„And worse I may be yet; the worst is not So long as we can say ‘This is the worst’” Shakespeare, King Lear, Akt IV, Szene 1, Vers 27/28
Ausstellungsinstitut des Jahres: Das Städel in Frankfurt. Eine wunderbare Cranach-Schau vor einem Jahr, davor das Erhellendste seit langem zu Baldung und Dürer, und jetzt die profunde Präsentation des Meisters von Flémalle und seiner Kollegen von den Altniederländern. Der Boom geht offenbar wieder zum gut Abgehangenen, aber gerade das muss man auch in den Griff bekommen. Dass Max Hollein seit einigen Jahren Chef ist, mag diesen Griff verbürgen. Mittelmaß des Jahres: Erwin Wurm. Vor einigen Jahren hat er sich, zu Recht, beklagt, dass die Agenturen ihn beklauen. Nun macht er selbst Reklame, für Mode und Magazine und was noch alles. Der Unterschied von Kunst und Werbung besteht darin, dass, sagt Benjamin, jene kumulativ, diese additiv funktioniert, oder dass, sagt die Gegenwart, jene vom Kleinen ins Große, diese vom Großen ins Kleine arbeitet. Es kann nur gut sein, auf einem solchen Unterschied zu beharren. Aufsteiger des Jahres: Thyssen-Bornemisza Art Contemporary. Der Seriositätsschub, dem sich Francesca von Habsburg mit ihrem Institut für Gegenwartskunst in den letzten Jahren unterzogen hat, ist doch erstaunlich. Normalerweise laufen Karrieren in die Gegenrichtung und das einzige, was man noch produziert, ist Gossip. Hier aber wird ruhig und unaufgeregt Aktuelles unerstützt. Und irgendwann ist auch das letzte Interview für „News“ erledigt. Künstler des Jahres: Attersee. Jawohl, Attersee. Der ist nicht mehr der Jüngste, aber den Spagat zwischen einer heftig akklamierten Operninszenierung und dem massenmedialen Spektakel zur 20-Jahr-Feier des Standard muss man erst einmal bewältigen. Genau dieser Spagat, zwischen meinetwegen High and Low, zwischen Kanon und Kuriosität, zwischen verkniffener Bürgerlichkeit und Marktschreierei, ist es, den Pop immer wollte. Wer Zweifel hat, lese dann noch Attersees kleinen Text zu seiner Ausstellung jetzt bei Heike Curtze. Auch so etwas muss man erst einmal bewältigen. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum: Mantegna im Louvre. Wie angekündigt: Platz eins auf der Liste der Präsentationen für die Nummer zwei des Quattrocento. Ausstellung ist, was man (hin-)bekommt. Ausstellung des Jahres in einer Galerie: Die Folge an Präsentationen, mit der sich Rüdiger Schöttle in München zum vierzigjährigen Bestehen seines Hauses bejubelt. Im Sommer Dan Graham zusammen mit Jeppe Hein, dann Thomas Struth, es schließt sich an Rodney Graham und jetzt zum Jahresende Jeff Wall. Alles Künstler der Galerie. Keiner eingekauft zum Gratulieren. Das Programm feiert sich selber. Flop des Jahres: Dem Vernehmen nach ist die Zwangsbeglückung ohnedies schon vorbei. Jedenfalls hat sich die Bawag Foundation, noch bevor sie einmal an die Reihe kam, sich im Fondationenkarree zu bespiegeln, wieder einen eigenen Raum besorgt. Der Ehevertrag mit der Generali Foundation kann gelöst werden. Schnell und schmerzlos. Es wäre zu hoffen. Kurator des Jahres: Adam Budak. Es ist ein wenig wie bei Kathrin Rhomberg, die jetzt wieder an der Secession tätig ist und sich vor allem aber auf die Berlin Biennale freut, die sie kuratieren wird. Auch Adam Budak dümpelt mit seinem Stammhaus dahin, dem Kuhherz in Graz, doch seine internationale Qualität hat sich deutlich herausgestellt. Die Manifesta 08, auf Südtirol und das Trentino verteilt, hat jedenfalls in der von Budak betreuten Abteilung in Rovereto ihr Highlight gefunden.

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