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Text und Kontext

„Dieser verfaulten Clique des Eurofaschismus, diesen Haiders und Le Pens und wie sie alle heißen, rufe ich zu: Da ist der Ausgang, da geht's nach Hause!“ Diese starken Worte wurden am vergangenen Wochenende getan, von einem, der, um im einschlägigen Jargon zu verfahren, nicht gerade zu den Linkslinken gehört. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma, CDU, hat damit dem „Anti-Islamisierungskongress“ seine gehörige Absage erteilt, bei dem sich eine Reihe notorischer Gestalten gegenseitig in ihrem Rechtsradikalismus bei Laune halten wollte. Dass Jörg Haider in diese Reihe gehört, weiß nicht nur Schramma. Wer mit diesem Wissen seltsam an sich hält, sind gewisse Personen des österreichischen Kunstbetriebs. Manche, die sich vor sechs Jahren noch die Zähne hätten putzen müssen, wenn sie gemeinsam mit Franz Morak von einem kalten Büffet gegessen hätten, finden nun nichts dabei, eine Veranstaltung mit ihrem Namen zu zieren, die „das unbeschränkte Vertrauen“, wie es im Katalogvorwort heißt, des „Kulturreferenten Dr. Jörg Haider“ besitzt. Dass der Kulturreferent auch Landeshauptmann ist und einem Kärnten vorsteht, das sich durch ganz andere Dinge kennzeichnet als der „Kunst 1945 bis heute“, wie sie das Projekt vorzuzeigen sucht, steht nicht im Vorwort. Natürlich haben sie sich alle gewunden und bemüht, ganz besonders skrupulöse Essays zu schreiben. Was aber zählt, ist nicht der Text, sondern der Kontext. Alle Autoren und Autorinnen kommen aus einer Gegenwartskultur, in der sie diesen Sachverhalt kennen. Warum machen sie trotzdem mit? Ist alles egal, nachdem sich ja auch schon Robert Fleck, einst der grimmigste Anti-Rechtskoalitionär, der Frau Husslein angedient hat? Probiert man bereits den Opportunismus, wo absolut nicht auszuschließen ist, dass sich jetzt der Herr Faymann in den Porsche setzt, um Bundesklanzler zu werden? Wird das diffuse Linksgefühl wieder etwas konkreter, wenn man sich vor dem Fond von jemandem aufbaut, der in aller Eindeutigkeit rechts ist? Wahrscheinlich ist ein Stück Heimatverbundenheit im Spiel, eine Art Solidarität mit jenem Rest-Kärnten, das sich nicht in Grenzlandressentiments erschöpft. Dieses Kärnten allerdings hat Haider längst einkassiert, und so muss doch „last but not least“, wie es so schön im Katalog steht, ihm gedankt werden. Jede Menge an Hirnkapazität ist aufgeworfen worden, um sich eine Mitarbeit schön zu denken und zu schreiben, an der nichts schön ist. Im Gegenteil. Der Brachialität, mit der man einst Morak heimgesucht hat, einen Politiker von immerhin unzweifelhaft demokratischer Identität, hätte es gerade jetzt bedurft. Da gibt es nichts hineinzuklausulieren an Differenz und Dekonstruktion. Da reicht ein Wort: Nein!

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