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Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen: Kunst und Unbehagen

Zweifellos macht die Australierin Tracey Moffat eine Kunst, die ohne ihre weibliche Perspektive nicht denkbar ist. Zudem stammt sie von den Aborigines ab, und der Umgang des Commonwealth-Staates mit der indigenen Bevölkerung liefert zusätzlichen Stoff für eine dezidierte Bildwelt. Tracey Moffat hat dafür vielerlei Anerkennung im Kunstbetrieb erfahren, bringt sie doch zwei Facetten des Subalternen zusammen und kann auch noch ein authentisches Wissen dazu vorweisen. „Scarred for Life“ heißt die Fotofolge aus dem Jahr 1994, die sie speziell bekannt gemacht hat. Eine Aufnahme wird dabei mit einem Bildkommentar gekoppelt, und in der Bild-Text-Kombination ergibt sich ein dritter Blick aufs Subalterne, auf die Kindheit, auf die Unterdrückung von Sexualität und daraus etwaig resultierenden Missbrauch. Gerade in der Assoziativität liegt die Qualität der Reihe, und so ist es kein Wunder, das sie jetzt im Rahmen von „Female Trouble“ in der Pinakothek der Moderne in München hängt. Genau genommen hängen nur drei Arbeiten aus dem Zyklus da. Drei, in denen Mädchen das Thema sind. Ein anderes Stück aus „Scarred for Life“ wäre etwa „Doll Birth“ gewesen, bei der ein Junge zu sehen ist, wie er unter heftigsten Wehen eine Puppe zur Welt bringt, während sein Freund Hebammendienste leistet. Die Mutter, so ist zusätzlich zu lesen, war darüber böse und verbot den Umgang mit dem Nachbarsbuben. „Doll Birth“ ist nicht zu sehen, wie es überhaupt offenbar darauf ankam in der Schau, Arbeiten zu präsentieren, auf denen Frauen oder solche, die danach aussehen, drauf sind. Das heißt aber nun, das Kind mit dem Bade ausschütten. Alle sind sie vertreten, wie sie die letzten Jahre und Jahrzehnte die Quote verbürgten. Cindy Sherman und Nan Goldin, Pipilotti Rist und Mathilde ter Heijne, als Österreicherinnen Valie Export und Birgit Jürgenssen, als Pionierinnen Claude Cahun und Julia Margaret Cameron oder als frühvollendete Vertreter maskuliner Gender-Sensibilität Urs Lüthi und Jürgen Klauke. Wer das nicht kennt, ist selber schuld. Hat man es in München nicht gekannt? Brauchen wir es noch einmal oder schon wieder? Und muss man es, wie das Beispiel Tracey Moffat zeigt, kondensieren, eindicken, damit nur ja Frau drinbleibt, wo Frau draufsteht? Über allem thront Frau Butler mit ihrem Geschlechterunbehagen. Auf englisch: Gender Trouble, publiziert 1991. Thomas McEvilley hat in eben dem Jahr ein Buch geschrieben, das Kunst und Unbehagen heißt. Auf englisch: Art and Discontent. Ganz anders als auf deutsch, und man könnte es auch übersetzen mit Kunst und Unzufriedenheit. Unzufriedenheit. Das genau überkommt einen in der Ausstellung.
Female Trouble - Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen
17.07 - 26.10.2008

Pinakothek der Moderne
80333 München, Barer Straße 40
Tel: +49 89 23805 360
Email: info@pinakothek.de
http://www.pinakothek.de
Öffnungszeiten: Di - Mi 10.00 - 18.00, Do 10.00 - 20.00, Fr - So 10.00 - 18.00


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