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Das Haus zur zweiten Chance

Falls unter der Klientel das Fußballfieber grassiert, dann wird der Auktionssaal am Abend des 17. Juni wohl leer gefegt sein. Vielleicht auch, weil die Nähe zur Fanzone am Rathausplatz zur Freyung keine unerhebliche ist, jedenfalls beginnt die eine Sitzung um 15.00 Uhr (Klassische Moderne), die zweite um 18.30 Uhr (Zeitgenössische Kunst) – und letztere könnte sich, so nicht in 90 Minuten erledigt, wohl mit dem Schlager Frankreich gegen Italien matchen. Aber es wäre auch nicht die erste Auktion, bei der Telefon- und Auftragsbieter eine klare Überzahl stellen. Falls der Interessierte beim Blättern der Katalogseiten stutzt, sich dabei der Kenn-ich-doch-woher-Effekt einstellt, keine Sorge, das passt schon. Vor allem in der Sektion Klassische Moderne trifft man auf einige Arbeiten, die jüngst diverse Messekojen der Wiener Händlerschaft schmückten. Eine zweite Chance also, und die bekommen bei Zeitgenössischer Kunst gewissermaßen auch Vertreter des Phantastischen Realismus. Zuletzt waren Hausner, Lehmden, Hutter und Brauer kaum bis gar nicht nachgefragt, einzig Fuchs durfte und darf sich einer Stammklientel rühmen. Die Ausstellung in der Österreichischen Galerie Belvedere („Phantastischer Realismus“, bis 14. September 2008) begleitet man nun mit einem entsprechenden Angebot. Ob sich dieses spezifische Wiener Phänomen durchzusetzen versteht, wird sich weisen. Zu den Blickfängen der jüngeren Generation zählen Gunter Damisch – vor allem seine Unikat Wegstammverschlingung (2000-3000) – Erwin Wurm, mit der ersten Sesselplastik aus den frühen 80er Jahren (9000-15.000), Hubert Scheibl mit seinem 350 x 200 cm großen Leinwandepos „Stranger B“ (40.000-70.000) und schließlich Xenia Hauser mit dem farb- wie malerisch kraftvollen Ölbild „Die Frau“ (25.000-40.000). Wer braucht schon Marken Eine für das Kinsky außergewöhnliche Auswahl an Französischem Glas – zu nennen hier vor allem das Titellos, die für die Pariser Weltausstellung 1900 gefertigte Schale „Coquillages“ (28.000-50.000) – sowie eine Reihe Fayencen von Emile Gallé wollen internationale Klientel dort locken, wo Österreichisches den Versierten ein Gähnen zu entlocken vermag. Hier ein bisserl Keramik der Herren Löffler und Powolny, dort ein wenig Goldscheider, zum Drüberstreuen Figuren von Baudisch, Singer, Calm und Wieselthier, ach ja, und Nippes von Josef Hoffmann nicht zu vergessen. Adolf Loos ist mit einer Kaminuhr vertreten, für die stolze 120.000 Euro erwartet werden, bescheiden nimmt sich dagegen die Taxe für seinen achtbeinigen Elefantenrüsseltisch aus (8000-15.000). Für die als Dagobert Peche ausgewiesene „Figur mit jungem Reh“ bleiben die Experten den Beweis schuldig und bieten einen Stilvergleich zu anderen Arbeiten. Das Fehlen der Wiener Werkstätten Marke soll kein Hindernis sein, die Behauptung ist gedruckt und lebt, samt einer zugehörigen Datierung (1919). Immerhin übte man bei der Taxe von 4000-8000 Euro dann doch die gebotene Zurückhaltung. 69. Kunstauktion 17. & 18. 06. 2008 www.imkinsky.com

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