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Stories - Erzählstrukturen in der zeitgenössischen Kunst: Fiktionen vom Erzählen

In den Siebzigern, da gab es eine Rückkehr des Erzählerischen in der Kunst. Leute wie Douglas Huebler oder Ian Wallace kleideten ihre Reflexionen aus einem beschädigten Leben in die Text-Bild-Kombinationen, wie man sie etwa von Comics kannte. \"Narrative Art\" nannte man das damals. In den Achtzigern, da gab es eine Rückkehr des Erzählerischen in der Kunst. Jeff Wall oder Marc Tansey durften seinerzeit als die visuellen Vorleser gelten, und wer es nicht glauben wollte, der konnte in Ecos \"Nachschrift zum Namen der Rose\" nachlesen, wie man mit Geschichten in die Weltnachrichten kommt. In den Neunzigern, da gab es eine Rückkehr des Erzählerischen in der Kunst. Das zumindest erzählt jetzt eine Ausstellung im Münchner Haus der Kunst. \"Stories\" heißt sie entsprechend und führt gut zwei Dutzend Positionen vor, die allesamt etwas mit dem Narrativen zu tun haben sollen. Sophie Calle und Tracey Emin, Raymond Pettibon und William Kentridge liefern die bekanntesten Namen. Die Ausstellung will nun, dass es das Erzählerische ist, das ihnen Gemeinsamkeit verleiht. Sollte das triftig sein, dann muss man wohl arbeiten wie Piet Mondrian, um dem Kriterium zu entgehen. Auch diesmal gibt es so etwas wie einen Gewährsmann. Wolfgang Kemp, Kunsthistoriker, versucht seit dreissig Jahren Konzepte der Literaturwissenschaft in Bildern wiederzufinden. Das war tatsächlich einmal der letzte Schrei, und es musste auch immer etwas laut vorgetragen werden, denn an einer überzeugenden theoretischen Untermauerung dafür hat es von jeher gemangelt. Wenn Aernout Mik ein Video zeigt und Sam Taylor-Wood eine panoramatische Fotografie, dann mag das zunächst nach Handlung und Begebenheit aussehen, denn die Medien, die sie verwenden, lassen ja Zeit ablaufen. Andererseits ist Miks Band eine Endlosschleife, und auch Taylor-Woods Lichtbild-Szenarien kommen immer wieder am Anfang an. Geschichten pflegen sich nicht zu wiederholen. Was \"Stories\" demgegenüber präsentiert, ist die unermüdliche Chose des Immergleichen, sind es der Alltag, der Sex oder die schlechten Manieren der anderen, die einen in Bann schlagen. Um so etwas zu zeigen, dafür sind Bilder gut. So gut, wie sie für Geschichten schlecht sind. Und so ist es entsprechend mit der Ausstellung. Sie hat gute Arbeiten und ein schlechtes Konzept.
Stories - Erzählstrukturen in der zeitgenössischen Kunst
28.03 - 23.06.2002

Haus der Kunst München
80538 München, Prinzregentenstrasse 1
Tel: +49 (0)89 21127-113, Fax: +49 (0)89 21127-157
Email: mail@hausderkunst.de
http://www.hausderkunst.de/
Öffnungszeiten: Mo – So 10.00 – 20.00, Do 10.00 – 22.00


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