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2008 - Synthesen, Synergien, Sündenfälle

Auch schon wieder 2008. Die Zeit vergeht und mit ihr alles Irdische. Da tut es gut, ein wenig zu wissen, was es bringen wird das neue Jahr. Hier also einige Punkte. Politisch geht es ruhig zu im Alpenland. Rot-Schwarz hält zusammen wie Granit und Gneis, und die Absicht des Bundeskanzlers, ein Ministerium für Ökologie einzurichten, findet, abgesehen von den Grünen, die das Copyright für diese Idee bei sich sehen, spontane Unterstützung. Das Dementi vom Ballhausplatz, es sei vielmehr ein Ministerium für Önologie geplant, wird kontrovers diskutiert, aber schließlich akzeptiert. Nirgends als auf dem Gebiet der Weinkennerschaft würde Österreichs Regierung schließlich international konkurrenzlos dastehen. Die Ministerin Schmied tritt in diesem Jahr langsam aus dem Schatten ihrer triumphal erfolgreichen Vorgängerin, der Ministerin Gehrer. Die Reaktion ihres Hauses auf gewisse Prüfungsverfahren die Schulkompetenz betreffend, wie sie die OECD durchexerziert hat, wird allgemein begrüsst: Auf die Frage, in welcher Stadt steht der schiefe Turm von Pisa, haben die Schüler in Zukunft zu antworten: in Helsinki. Die bereits bei der Findung des Staatsopernchefs durchschlagende Strategie der Ministerin, die Wiener Philharmoniker mit der Stellenbesetzung zu beauftragen, bewährt sich abermals. In der Pause zwischen dem zweiten und dem dritten Akt des "Lohengrin" gelingt es dem Orchester, den gordischen Knoten des Wiener Museumswirrwarrs zu durchschlagen und die Paradelösung schlechthin für das Kunsthistorische Museum zu unterbreiten: Das KHM geht an KHG. So einfach ist das, und als die Albertina hinsichtlich gewisser Baumaßnahmen der Londoner Tate Modern, die die Präsentationsfläche von 9.000 auf 15.000 Quadratmeter erweitern, gleiches Recht für alle fordert, wird dem stattgegeben. Die Philharmoniker erhalten dafür eine Probebühne im Tiefspeicher. Weniger gut ergeht es dem Wiener Kulturstadtrat. Angesichts ironischer Invektiven gegen seine Person, wie sie ein österreichischer Jungautor in einem erfolgreichen Roman des letzten Jahres verbreitete, erklärt Mailath-Pokorny seine Demission. Bürgermeister Häupl ernennt Daniel Kehlmann zum Nachfolger. Häupl: "Kehlmann ist der geborene Kulturstadtrat". Thomas Glavinic macht sich daraufhin an den zweiten Teil seines Buches "Das bin doch ich". Medienpolitisch tut sich Positives. Der ORF überwindet sein Tief, was vor allem auf die allgemeine Akzeptanz zweier neuer Serien zurückzuführen ist. Zum einen übersetzt man unter beständiger Anteilnahme der Öffentlichkeit eine Kennenlern-Show aus dem deutschen Privatfernsehen ins heimatliche Idiom: Mit "Minister sucht Ministerin" landet man einen Blockbuster. Zum zweiten ist eine Alpin-Doku-Soap in aller Munde, die im Skigebiet spielt und den Titel trägt "Vielleicht geht ihm ja noch die Bindung auf". Zum Triumph gestaltet sich die Fussball-Europameisterschaft. Der Ausspruch des Bundespräsidenten: "Wir brauchen jetzt kein Östrogen, wir brauchen ein Austro-Gen" hat die Nation spontan hinter sich geschart. Beim Championnat selber werden 15 der teilnehmenden Mannschaften wegen unlauteren Wettbewerbs disqualifiziert. UEFA-Chef Platini zieht die notwendige Konsequenz und erklärt Österreich zum Europameister. In Folge erhält Peter Handke den Literatur-Nobelpreis für "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter". Auf ein Neues.

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