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Geschichten, die keine sind

Die meisten von denen, die es wissen müssen, zählen das Kunsthistorische Museum zu den fünf bedeutendsten Galerien der Welt. Alle von denen, die es wissen müssen, versagen ihm allerdings Rang eins, denn der ist, allermeistens, dem Prado reserviert. In Madrid haben sie jetzt einen neuen Generaldirektor gesucht, weil der alte dem ministeriellen Oberaufseher nicht gepasst hat. Erste Amtshandlung des Kontrolleurs war ein Austausch der Büroräume, und sodann hielt nun er, der Herr Inspektor, das feine Obergeschoss mit dem Hauptstadt-Panorama besetzt. Der Generaldirektor reagierte wie erwartet und kündigte. Sein Nachfolger kommt aus Bilbao, doch es gab Schwierigkeiten mit seiner Bestellung. Den Grund dafür muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Der Chef des bedeutendsten Malerei-Museums auf diesem Planeten verdient keine 3.500 Euro! Im Monat! Das war dem Nachfolger, und man kann ihn schier verstehen, etwas zu wenig. Er zögerte. Angeblich ist das Gehalt aufgestockt worden. Und das angestammte Büro wurde auch zurück erstattet.

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"Um Schaden abzuwenden" hat sich Adolf Frohner, Jahrgang 1934, für die Malerei-Professur an der Angewandten beworben, auf der er seit Jahrzehnten selbst hockte. Nichts Besseres kommt nicht nach, und so macht sich der Frühest-Aktionist auf den Weg zur eigenen Nachfolge. Eine Gesetzeslücke, die er da nutzt, das heißt man Frohners Ansinnen ernst nehmen. Offenbar sehr ernst: Gerwald Rockenschaub, so etwas wie ein seriöser Jüngerer, hat, so hört man, die eigene Anwartschaft zurückgezogen. Der Adi wird es wohl noch einmal werden.

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Ende Februar machen sie in Innsbruck wieder ihre Kunstmesse. Gleich Dutzendweise sind die Galerien vertreten, viele kennt man nicht, einige wie Hilger oder Insam schon. Das Zeitgenössische, man glaubt es kaum, boomt. Inmitten von KunstWien, die gerade im biblischen siebten Jahr steht, der eigenen Jung-Konkurrenz namens Art-Vienna im technischen Museum und der Art Bodensee trachtet das Bergvolk auch schon zum sechsten Mal nach den Gipfeln des Guten, Schönen, Wahren. Wir sagen nur: I muass auffi.

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Nachworte: "Der Stein ist mehr Stein als früher" - Friedrich Nietzsche, Philosoph "Den Stein wieder steinern machen, ist die Aufgabe der Dichtung" - Viktor Shklovski, Sprachwissenschaftler "Kunst ist, ein unbearbeitetes Stück Stein solange zu bearbeiten, bis es aussieht, wie ein unbearbeitetes Stück Stein" - Rudolf Scharping, Verteidigungsminister

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