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Teresa Hohenlohe

Diesmal keine Glosse. Jedenfalls nicht im Sinn von Jux und Tollerei. Diesmal etwas aus ganz traurigem Anlass. Eine Erinnerung an Teresa Hohenlohe. Von ihr stammte das beste Posting, das ich bekommen habe, um nicht zu sagen, das einzige, das es die Sache wert macht. Teresa Hohenlohe reagierte auf einen Text, den ich zum Tod des Papstes Johannes Paul II. geschrieben hatte, und ihre Sätze waren sachlich, überlegt und von einer Sympathie für die Kirche und ihre lange Dauer getränkt, die sie sich von deren langjährigem Oberhaupt, für das sie das Wort "reaktionär" benutzte, nicht hatte nehmen lassen. Teresa Hohenlohe stammte aus Italien und aus der Aristokratie. Dass man da katholisch ist, haben ihr auch die Beflissenheiten des Kunstszene nicht ausgetrieben. Nicht, dass sie eine Außenseiterin gewesen wäre im Kunstbetrieb. Mit ihrer Hartnäckigkeit, und ihrem dezidierten Vermögen, dem Besucher eine Meinung aus der Nase zu ziehen, hatte sie das Rüstzeug zur guten Galeristin. Ihre Freundlichkeit indes war ungespielt, und ihr Optimismus umrankte die neugierigen Augen. Es hatte sich ja zusehends ausgezahlt, was sie machte in der Bäckerstraße, und nicht weniger als fünf Positionen ihrer Galerie, Peter Friedl Andrea Geyer, Imogen Stidworthy, Simon Wachsmuth sowie die zuletzt nicht mehr zum Stamm gehörende Ines Doujak, zieren die aktuelle documenta. Roger Buergel war der Haustheoretiker, und neben der Mischung aus habituellem Konservativismus und ästhetischem Avancement war es die gewisse Distanz zu Wien, in dem der Konservativismus ästhetisch ist und das Avancement habituell, die sie gemeinsam hatten. Natürlich ist auch die jetzige documenta nicht frei von den Kalkülen des Marktgeschehens, doch es sind andere als die globalen Spieler, deren Galerieprogramm sich diesmal geltend macht. Diese Präsenz dokumentiert auch eine weitere und jeweils wieder notwendige Wachablösung in Wiens Galerienleben. Nachdem die Herren aus den zentrumsnahen Bezirken die Damen aus der Innenstadt abgelöst hatten, war der Ton nun, mit Hohenlohe, Krobath Wimmer, mezzanin, wieder weiblich geworden. Was hat die Galerie unverwechselbar gemacht? Die Künstlerliste und die Aufmerksamkeit, mit der hier das Konzeptuelle und das Kontextuelle mitgedacht wurden? Die ruhige Betriebsamkeit, die mit der Hektik auch auf die Prätention des Weltbewegenden verzichtete? Die Freundlichkeit, mit der man begrüßt und auf legere Weise zu längerem Bleiben genötigt wurde? Jedenfalls dies: Wenn man die Galerie verließ, hatte man nicht zu befürchten, anschließend ein Hackl ins Kreuz zu kriegen. Wir waren per Sie. Immer wieder brachten wir das Gespräch darauf, dass wir jetzt, wie es sich gehört im Kunstbetrieb mit seinen Kumpaneien und der notgedrungenen Angewiesenheit aufeinander, anfangen sollten, uns zu duzen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Teresa, wir vermissen Sie.

Ihre Meinung

13 Postings in diesem Forum
clemens stecher | 27.08.2007 06:25 | antworten
Ohne sie schlecht machen zu wollen, aber um bei der Wahrheit zu bleiben muß angemerkt werden, dass über lange Zeit nicht alle Gäste und Künstler willkommen waren und "auf legere Weise zu längerem Bleiben genötigt wurden". Das kann ich verzeihen, aber nicht vergessen.
beschämend
Constanze Ruhm | 30.08.2007 06:22 | antworten
Lieber Clemens Stecher, ich finde es beschämend, dass Dir anlässlich dieses so überaus traurigen Ereignisses nichts Besseres einfällt. Mehr habe ich zu Deinem Posting nicht zu sagen.
beschämend für wen?
clemens stecher | 01.09.2007 04:08 | antworten
Constanze, Es sollte auch nach dem noch so tragischen Tod eines noch so lieben Menschen möglich sein, subjektiv berechtigte Kritik anzubringen. Punkt.
Nur
clemens stecher | 01.09.2007 04:26 | antworten
damit wir uns hier nicht mißverstehen: Mir ging dieser Tod sehr nahe.
Galerie Hohenlohe
franz seilern | 02.09.2007 12:19 | antworten
Es tut mir sehr leid, dass Sie, Herr Clemens Stecher sich in Galerie nicht willkommen gefühlt haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Frau jemals ablehnend zu einem Besucher gewesen wäre. Könnte es sein, dass Sie sich bei uns als Künstler beworben haben und mangelnde Resonanz unsererseits mit einem nichtwillkommen sein als Gast verwechselt haben?
Galerie Hohenlohe
franz seilern | 02.09.2007 01:29 | antworten
Es tut mir sehr leid, dass Sie, Herr Clemens Stecher sich in Galerie nicht willkommen gefühlt haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Frau jemals ablehnend zu einem Besucher gewesen wäre. Könnte es sein, dass Sie sich bei uns als Künstler beworben haben und mangelnde Resonanz unsererseits mit einem nichtwillkommen sein als Gast verwechselt haben?
Nein, das habe ich nicht verwechselt.
clemens stecher | 03.09.2007 02:13 | antworten
Antwort in separater Mail.
galerie hohenlohe
reinhard gombots | 30.08.2007 06:18 | antworten
ich habe mich immer wohl und willkommen gefühlt bei einen galerie besuch in der bäckerstr.die künstler haben mir auch sehr gut gefallen die dort ausstellten.leider kannte ich fr. hohenlohe nur von sehen bei ausstellungs eröffnungen. sie machte einen sehr freundlich menschlichen eintrug auf mich es ist sehr schade das sie nicht mehr da ist.
Teresa Hohenlohe
Dagmar Anders | 31.08.2007 01:14 | antworten
Es wäre schön, wenn Sie von Frau Hohenlohe ein Foto bringen könnten. Danke auch für die Würdigung. Es macht doch nachdenklich und betroffen, wenn eine so optimistisch, christlich denkende und engagierte Frau freiwillig aus dem Leben scheidet. Warum ? Könnte es mit dem Stellenwert der Kunst und Kultur in unserer Zeit zu tun haben ? Unsere Anteilnahme gilt den Angehörigen.
Teresa Hohenlohe
Dagmar Anders | 31.08.2007 01:15 | antworten
Es wäre schön, wenn Sie von Frau Hohenlohe ein Foto bringen könnten. Danke auch für die Würdigung. Es macht doch nachdenklich und betroffen, wenn eine so optimistisch, christlich denkende und engagierte Frau freiwillig aus dem Leben scheidet. Warum ? Könnte es mit dem Stellenwert der Kunst und Kultur in unserer Zeit zu tun haben ? Unsere Anteilnahme gilt den Angehörigen.
Hohenlohe
Andrea Kirchmeier | 01.09.2007 11:14 | antworten
Ich kannte Frau Hohenlohe nicht, und auch nicht die Umstände. Ich kenne nur Ihren Exmann und dessen jetzige Frau, leider nicht von der angenehmsten Seite. Schade um eine, wie ich den diversen Eintragungen entnehmen konnte, tolle Frau und Mutter
Schämen Sie sich
Stefan Kobel | 17.09.2007 10:04 | antworten
Das ist hier ist zwar das Internet, und da hapert es bekanntlich mit den Umgangsformen. Gleichwohl gibt es gewisse Minimalstandards, die man jederzeit einhalten sollte. Wer sich von irgendwem auf den Schlips getreten fühlt oder noch irgendeine Rechnung mit mittelbar Beteiligten offen hat, darf das gerne für sich behalten. Hier ist jedenfalls nicht der richtige Ort dafür.
Schämen Sie sich
Stefan Kobel | 17.09.2007 10:09 | antworten
Das ist hier ist zwar das Internet, und da hapert es bekanntlich mit den Umgangsformen. Gleichwohl gibt es gewisse Minimalstandards, die man jederzeit einhalten sollte. Wer sich von irgendwem auf den Schlips getreten fühlt oder noch irgendeine Rechnung mit mittelbar Beteiligten offen hat, darf das gerne für sich behalten. Hier ist jedenfalls nicht der richtige Ort dafür.

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