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Gerwald Rockenschaub - Humanoid Must not Escape: Bub oder Mädchen

Blau und Rosa sind heraldische Farben. In Disneys "Dornröschen" zum Beispiel fechten die beiden Feen, die zum Schutz der Märchenheldin abgestellt sind, einen unermüdlichen Strauß um die richtige Farbe fürs Hochzeitskleid. Die eine ist für Rosa, die andere für Blau, es changiert bunt durchs Technicolor, und natürlich wird nichts entschieden, wo es schließlich die Kombination ist, die zählt. Entsprechend schenkt man auch bei Babykleidung in einer der Alternativen. Dass jederzeit die andere möglich wäre, ist in Zeiten, da man Mädchen genauso liebt wie Buben, obligatorisch. Blau und Rosa zielen gemeinsam ins Herz. Klar, dass Gerwald Rockenschaub es da viel orthodoxer meint. Oder auch nicht, jedenfalls bieten sich die zwei Kuben, die er im Untergeschoss der Galerie Kargl auf- und etwas gegeneinander gestellt hat, im einschlägigen Farbenduo dar. Man kann nicht davon ausgehen, dass Rockenschaub die sentimentalen Implikationen unbekannt waren. Der Ausstellungstext redet zwar davon, wie das Gebilde das "Raumgefüge dekonstruktivistisch aufzubrechen" vermag. Ikonografien allerdings sind nicht so einfach aufzubrechen. Nun gibt sich Rockenschaub wirklich alle Mühe, jenen Mechanismus, dass es leichter ist, mit Bedeutung anzureichern als sie zu dementieren, kaltzustellen. Seine Werke, wie er sie unter dem sehr auf internationales Interesse abgestimmten Titel "humanoid must not escape" zeigt, sind modernistisch, aber weil sie in Acrylglas verewigt sind, verweigern sie sich der Meistererzählung von der Entwicklung zur Flachheit. Seine Werke arbeiten mit Serialität, aber weil sie auch als Vorhänge daherkommen und sich dem Raum geradezu anschmiegen, entziehen sie doch der puren Objekthaftigkeit von Minimal. Und sie tragen Farben, die alles andere sind als unschuldig. Der himmelstürmende Weg von der Entsemantisierung über die Polysemie zur Dissemination ist längst eine Sackgasse. Sinnentzug ist nicht zu haben. Und wenn alle Verweigerungen von Botschaft durchgespielt sind, dann kommt die Ökonomie nicht nur der Aufmerksamkeit ganz zu sich. Letzter Satz des Ausstellungstextes: "Gerwald Rockenschaub ist Teilnehmer der documenta XII und ist dort mit älteren und neueren Arbeiten vertreten."
Gerwald Rockenschaub - Humanoid Must not Escape
01.06 - 11.08.2007

Galerie Georg Kargl
1040 Wien, Schleifmühlgasse 5
Tel: +43 1 585 41 99, Fax: +43 1 /585 41 99-9
Email: office@georgkargl.com
http://www.georgkargl.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19
Sa 11-16h sowie nach Vereinbarung


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