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Aller Anfang ist Merz - Von Kurt Schwitters bis heute: Der Dadaist als Demiurg

Als im 19. Jahrhundert das Prinzip Weltausstellung seinen Siegeszug vollführte, mochte die Sensation auch damit zu tun haben, daß man derlei in Paris und nicht in Clermont-Ferrand, in London und nicht in Coventry in Szene setzte. Letztes Jahr wurde das Prinzip abermals aufgeführt, und sein Schauplatz war Hannover. Der Erfolg war dementsprechend. Immer wenn die Provinz sich mit dem Verdacht abmüht, provinziell zu sein, ist sie auf die Inszenierung von Weltgeltung erpicht. Begleitend zur Expo besann sich Hannover nun auf Kurt Schwitters, erkannte in ihm den größten Sohn der Stadt und dachte an nichts anderes und an nicht weniger, als gleich die Kunstgeschichte um ihn zu fokussieren. So wurde der Dadaist zum Demiurgen erklärt, und seine Merz-Geschichten leuchten als Beginn eines neuen Zeitalters. Schwitters war modern, kein Zweifel, er schuf Collagen und allerlei Klamauk, bediente sich aus Illustrierten und bastelte sich ein skurriles Hinterzimmer: eine Tropfsteinhöhle aus Kubismus. Das ist durchaus der Rede wert. Der Beschluß der Schau aber lautet, daß er dabei der größte und wichtigste und vorbildhafteste ist, und so vergeht die Präsentation, die nach dem Hannoveraner Beginn nun in München gelandet ist, in der Prätention. Die beiden Ausstellungsmacherinnen haben eine These und noch dazu Kunstgeschichte studiert. So machen sie es also wie weiland im Seminar, ersetzen die dort übliche Projektion von zwei Dias durch die einschlägige Parallelisierung zweier Originale und haben damit flugs einen Beweis an die Wand gezaubert: Der Richard Hamilton aus den Sechzigern sieht aus wie der Schwitters aus den Zwanzigern, also ist der Frühere der Ideengeber des Späteren. So geht es dahin, von Exponat zu Exponat, hoch in den Sphärenhimmel der ungetrübten Idealvorstellung. Auch Lois Renner, Österreichs Vorzeigezeitgenosse, wird nicht verschont. Dieser Merz jedenfalls ist ein Scherz.
Aller Anfang ist Merz - Von Kurt Schwitters bis heute
20.03 - 20.05.2001

Haus der Kunst München
80538 München, Prinzregentenstrasse 1
Tel: +49 (0)89 21127-113, Fax: +49 (0)89 21127-157
Email: mail@hausderkunst.de
http://www.hausderkunst.de/
Öffnungszeiten: Mo – So 10.00 – 20.00, Do 10.00 – 22.00


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