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Weiße Zelle

Der ideale Galerie-Raum hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnte grob gesagt folgendermaßen dargestellt. Es begann, und reicht damit zurück in die klassische Moderne, mit einem ganzen Haus, einer Villa in der Stadt oder in der Peripherie, um anzudeuten, dass es die Figur des Industriellen ist, der die Avantgarde am Leben erhielt. Es schlossen sich an die Altbauwohnungen, und die Kunst und das schöne Heim der Nachkriegsidyllik schlossen sich im perfekten Showroom mit Parkett und Stuckdekor zusammen. Dann kam das Loft, international wie man war in den Siebziger und Achtzigern. Schließlich schob sich, und das gilt bis in die unmittelbare Gegenwart, die Ladengalerie in den Vordergrund, denn Kunst und Kapitalismus schreibt man seit geraumer Zeit mit einem großen K. In all den Zentren des Betriebs hat sich dieser Mechanismus mit gewissen zeitlichen Abständen vollzogen, aber im Großen und Ganzen hat er gegriffen. In Köln zum Beispiel, bis vor kurzem ja Hauptstadt der aktuellen Produktion und eher früh dran, wird er beispielhaft verkörpert von, in dieser Reihenfolge, den Galerien Gmurzynska, Werner, Maenz und Hetzler. In Wien, eher spät dran, hat er sich aufgrund der Konzentration der Standorte auf und um die Innenstadt auf die Prinzipien Altbauwohung und Laden beschränkt: Das aber in aller Deutlichkeit (bei Kargl immerhin gibt es eine schöne Kombination von Loft und Laden). Da fällt jetzt schon auf, dass man bei MeyerKainer die perfekte Interferenzzone zur Stadt mit großen Schaufenstern und breiter Front, wie man sie bisher bespielte, in eine noch perfektere Isolierzelle verwandelt hat. Ohne Außenlicht und im Rechteck-Schematismus strahlend heller Wände ist praktiziert, was man einen White Cube nennt. Der Mechanismus hat auf seine Weise auch bei anderen nicht-musealen Ausstellungsorten gegriffen. In Wien zum Beispiel ging der Weg von der Stadtvilla der Secession zur Altbaunostalgik des BA-CA Kunstforums über das Loft der Generali zur Glasfront der BAWAG. Und da fällt jetzt auch auf, dass es ausgerechnet im Belvedere das gleiche Verfahren des Rück- und Einzugs in den weißen Würfel gibt. Die Orangerie jedenfalls, adaptiert für die Belange von Wechselpräsentationen, bietet sich ganz frisch dar als nicht minder perfekter White Cube. Vielleicht ist kaum ein Text missverstanden worden wie Brian O`Dohertys "Inside the White Cube" von 1976. Man hat ihn als Abgesang genommen, und doch war er nichts als ein Manifest: "Die ideale Galerie", heißt es hier, "hält vom Kunstwerk alle Hinweise fern, welche die Tatsache, daß es `Kunst` ist, stören können. Sie schirmt das Werk von allem ab, was seiner Selbstbestimmung hinderlich in den Weg tritt. Dies verleiht dem Raum eine gesteigerte Präsenz, wie sie auch andere Räume besitzen, in denen ein geschlossenes Wertsystem durch Wiederholung am Leben erhalten wird." Um dieses Am-Leben-Erhalten geht es im Moment für das "Wertsystem" Kunst wie womöglich noch nie zuvor. Auf alle Fälle weiße Zelle. Schön zu bemerken, dass man das bisweilen kapiert.

Ihre Meinung

3 Postings in diesem Forum
Wertsystem?
Thomas Wulffen | 27.03.2007 09:48 | antworten
Um welche Werte geht es denn dabei. Das bleibt unklar, sind es ökonomische Werte oder kulturelle? geht das hier in eins. Ist die Logik des Weissen Raum die Logik des Spätkapitalismus. Heisst das, wir müssen mit der Kunst wieder in Kellerlöcher und dergleichen ausweichen, damit wir uns vor diesem Zugriff retten können? Ich ziehe das Kellerloch vor, wenn der Rest nur noch weisse Zelle ist. Der Schmutz an dern Rändern allerding lässt die weisse Mitte umso mehr strahlen.
Wertsystem?
Thomas Wulffen | 27.03.2007 10:28 | antworten
siehe auch thwulffen.blogspot.com
bitte
Keine Ahnung | 31.03.2007 04:27 | antworten
ersparen Sie uns Eigenwerbung, besten Dank.

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