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Starlight - 100 Jahre Film Stills: Freeze Frame

Trotz der im Feld der bildenden Kunst geradezu inflationären Auseinandersetzung mit dem Medium Film widmeten sich bisher nur wenige Ausstellungsprojekte der naheliegendsten Schnittstelle zwischen Film und Fotografie, den sogenannten Filmstills. Rudolf Arnheim sah in den Filmstandbildern immer auch "ein unheimliches, anhaltendes Erstarren", das dem Übertragen des filmischen Zeitablaufes in ein stillgestelltes Bild geschuldet ist. In vielen Fällen kann von einem moment décisif auch gar nicht die Rede sein, zumal es schwierig ist, eine ganze Filmhandlung auf einen einzigen Augenblick zu verdichten bzw. zu reduzieren; hinzu kommt, dass es sich oft um gestellte Fotografien handelt, die zwar am Set entstehen, nicht jedoch während des eigentlichen Drehs. Die Schau im dänischen Louisiana Museum fasst die quasi hybriden Filmstills als autonome fotografische Bildwerke und möchte dadurch eine gewisse Aufwertung erwirken. Und so erfreulich diese Themenstellung einerseits auch ist, so enttäuschend ist andererseits die bloß in Untiefen des beschworenen, durch das Aufkommen des Films so nachhaltig geprägten kollektiven Bildgedächtnisses reichende Bestandsaufnahme. Denn die Ausstellungskonzeption lässt sowohl den (medien-)historischen Kontext, als auch eine Lesart des Filmstills als Paratext (ähnlich etwa Plakat oder Trailer) vermissen - wo sich doch gerade anhand dieser verschiedenen Bedingtheiten und Überschneidungsmomente die Gelegenheit geboten hätte, die Besonderheiten dieses Bildtypus zu beleuchten. Auch eine kunsthistorische Gegenüberstellung bleibt weitgehend aus, gerade mal im Katalog werden Vergleiche mit Andy Warhol, Cindy Sherman oder Douglas Gordon angestellt, allerdings fernab einer differenzierten Konfrontation - wie es sich z.B. anhand von John Fords "The Misfits" angeboten hätte, dessen Dreharbeiten nicht nur Cartier-Bresson mit der Kamera begleitete, sondern auch zu Inge Moraths berühmten Aufnahmen von Marilyn Monroe führen sollten. Ziemlich einfallslos wirkt also die meist motivisch (die Stadt, der Kuss, der Abschied), teils auch genrespezifisch (Action, Horror, Erotik) geleitete Anordnung der ca. 700 gezeigten Bilder, die den Mikrokosmos eines vorwiegend westlichen wie mainstream-orientierten Filmschaffens illustrieren. So erschöpft sich die dichte Präsentation darin, zum einen an den Wiedererkennungswert zu appellieren ("Meet Scarlett O`Hara, Vito Corleone, Annie Hall...!") , zum anderen aber auch die suggestive Kraft dieser Bilder zu beschwören, einen narrativen Konnex herzustellen, auch oder gerade, wenn man den jeweiligen Film nie gesehen hat. In seiner umfassenden Untersuchung zum Filmstill konstatiert der Kulturwissenschaftler Winfried Pauleit: "Das Filmstandbild ermöglicht auch dem Rezipienten eine andere Haltung zu den Bildern, die weniger in einer hermeneutischen Deutung sich entfaltet als in einer Lektüre eines fortgesetzten Spiels der Dekonstruktion, die nicht nur die bildende Kunst und den Film als Referenzsystem befragt, sondern die auch von Kinogängen und Museumsbesuchen berichtet" - schade, dass bei dieser Gelegenheit nicht mehr Fragen gestellt wurden.
Mehr Texte von Naoko Kaltschmidt

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Starlight - 100 Jahre Film Stills
30.10.2006 - 25.02.2007

Louisiana Museum for Moderne Kunst
3050 Humlebaek, Gl. Strandvej 13
Email: info@louisiana.dk
http://www.louisiana.dk/
Öffnungszeiten: tägl. 10-17, Mi 10-22 h


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