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Zurück zur Figur - Malerei der Gegenwart: Milchschweine und herrenlose Hunde

Michel Foucault beginnt das Gründungsbuch seiner Weltgeltung "Die Ordnung der Dinge" mit der schönen, von Jorge Luis Borges geborgten Aufzählung aus "einer gewissen chinesischen Enzyplopädie". Danach systematisiert sich das Tierreich wie folgt: "a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichneten, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die wie von weitem wie Fliegen aussehen." Man könnte es in diesem Sinn für eine hübsche poststrukturalisitsche Volte halten, wenn die Ausstellung, die die Hypo-Kunsthalle in München gerade der figurativen Malerei der Gegenwart widmet, mit folgender Systematik aufwartet: a) magischer Realismus/Neue Sachlichkeit, b) Porträt, c) Pop/Crossover, d) Alltag/Politik, e) Körper/Psyche, f) Porträt, g) Welten-Gegenwelten. So sind die sieben Abteilungen überschrieben, und sie versuchen eine Schneise in den Wildwuchs der Gemälde zu schlagen, indem sie a) auf eine Tradition, b) auf ein Sujet, c) auf eine Methode, d) auf einen Motivbereich, e) auf eine Referenzebene, f) nochmals auf ein Sujet, aber auf dasselbe wie soeben, und g) auf ein schwammiges Gegensatzpaar, das einfach dafür gut ist, den Rest einzusammeln, verweisen. Dass es hier mit Ordnung dann doch nicht sehr weit her ist, lässt sich unmittelbar einsehen, und es lässt sich auch sehen. Im nicht einmal bunten, sondern nur einfältigen Nebeneinander der irgendwie farbigen Karrees schmeissen sich Altmeister wie Johannes Grützke, Großmeister wie Neo Rauch, Kleinmeister wie Anton Henning und vielerlei Bezirks- und Kreismeister wie die im Dutzend billiger zu habenden Münchner Lokalmatadoren in die gestärkte Hemdbrust. Vielleicht sieht das Zeug, das sie einem in Miami oder Basel aus den Händen reissen, wirklich so aus wie die Albumblättchen an der Hypo-Wand. Vielleicht geht das wirklich sehr einfach heutzutage. Aber gleich so einfach?
Zurück zur Figur - Malerei der Gegenwart
02.06 - 13.08.2006

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
80333 München, Theatinerstrasse 8
Tel: +49 (0)89 22 44 12, Fax: +49 (0)89 29 16 09 81
Email: kontakt@hypo-kunsthalle.de
http://www.hypo-kunsthalle.de
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr


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