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Präsidenten, Produzenten

Die Secession hat eine neue Präsidentin. Besser gesagt, das heißt geschrieben, die Secession hat eine(n) neue(n) PräsidentIn. Von Berta Zuckerkandl an haben die Frauen gern einmal die Arbeit getan in der Secession. Doch mit Barbara Holub ist die Präsidentenperson ganz offiziell und ganz repräsentativ weiblich geworden. Erstmalig, versteht sich. Dazu bedurfte es einer Kampfabstimmung. 1995 hatten sich die Gemüter letztmalig hochgetürmt, und man mag es kaum glauben, dass es erst gut zehn Jahre her ist, da sich noch so etwas wie Fronten auftaten, programmatische, um nicht zu sagen ideologische Differenzen, die unüberbrückbar waren. Werner Würtinger hieß der Kandidat des Präsidiums, der Garant der Kontinuität, die in Avanciertheit, Internationalität und Trendiness bestand. Die Gegenseite hatte Georg Eisler ins Rennen geführt, den Lokalmatador, den Verfechter der Tradition, den guten Konservativen mit gut linker Gesinnung. Würtinger gewann, und es war eine Richtungswahl, die ihn installierte. Nichts von Richtungswahl jetzt. Von einigen Änderungsvorschlägen im Prozedere des Wahlvorganges selbst abgesehen setzt Barbara Holub keine neuen Direktiven. Die Alternative, für die sie steht, ist dasjenige des Geschlechts. Darin liegt die spezielle Gegenwärtigkeit dessen, was gerade in der Secession passiert ist: Änderungen werden heutzutage nicht argumentiert, sie werden verkörpert. Die Politik des Hauses ergibt sich sowieso von selbst: Sie ist nichts anderes als der tägliche Apparat der Anpassung ans Gegebene. Seit zwanzig Jahren fährt die Secession eine Strategie, die Internationalität des Geschehens nicht nur wiederzugeben, sondern sich als einer der, wie man das so schön nennt, Diskursproduzenten seinerseits ins Spiel zu bringen. Nachdem sie darin auf bisweilen staunenswerte Weise erfolgreich war, hat sie in den letzten Jahren etwas Terrain hergeben müssen. Nicht, weil sie schlechter geworden wäre. Aber die anderen, die Generali vor allem, aber auch die BAWAG, manchmal das MUMOK oder gar die Kunsthalle, sind besser geworden oder, noch besser, überhaupt erst entstanden. Die Secession besitzt dabei das seltsame Privileg, sich in dieser neuen Konkurrenzsituation abseits halten zu können, denn die weitaus mehr als 100.000 Besucher, die sie sich für ihre Ausstellungsarbeit jährlich gutschreibt, hat sie sowieso. Ob diese Besucher nach Bestaunen des Klimt-Frieses einen einzigen verstohlenen Blick auf die leeren Wände der "Regierungs"-Präsentation oder die leeren Leinwände der Krebber-Präsentation werfen, lässt die Statistik gnädig unerfasst. Barbara Holub, so sagt man ihr schon vorab nach, wird den Produzenten-Aspekt stärker gewichten und mehr Mitglieder-Schauen veranlassen. Das muss nach den Theorie-Installationen von Trinh Minh-ha oder Silvia Kolbowski, nach deren Ende man wie bei jeder Alchimie so klug war als wie zuvor, kein Schaden sein. Im Gegenteil, ein gutes Stück des Secessions-Erfolgs liegt ja darin, dass mit der Ausstellungspolitik sich auch die Mitglieder-Mentalität internationalisierte. Und Marco Lulic, der unterlegene Präsidentschafts-Kandidat, kann sich nun weiterhin unbesorgt um seine Karriere kümmern. Er nämlich besitzt die neue Mitglieder-Mentalität par excellence.

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