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Why Do We Cover Our Interior Walls and Windows?: Exterieurs als Innenausstattung

Womöglich ist die Frage, die die Wiener Galerie Krobath Wimmer per Ausstellungstitel aufwirft, nur zu beantworten, wenn man sich in der Zeitgenossen Oberstübchen begibt, und deren eigene Interieurs beleuchtet. Derlei Beleuchtung ist ja als Psychoanalyse eine österreichische Spezialität, und vielleicht ist also das Problem, warum man die Innenwände bedeckt, tatsächlich eine Sache einer nationalen Mentalität. Daß sich ausgerechnet in einer Stadt, die eine Ringstraße besitzt, nicht nur das einzige Riesenrad erhalten hat, sondern auch die Innenkreise des Seelenlebens um sich selbst rotieren, läßt sich durchaus mit einer Logik ausstatten. Daß die Galerie Krobath Wimmer eine Frage wie diese aufwirft, ist jenseits solcher Räsonnements vor allem ein Sachverhalt, der sich höchst sympathisch ausnimmt. In Zeiten eines völlig ungebremsten Turbo-Kapitalismus scheint sich ausgerechnet im Kunstbetrieb ein Refugium erhalten zu haben, in dem der Reibach zumindest gedämmt erscheint. Man präsentiert Künstler der Galerie, doch diese pure Raison d’Etre jeder seriösen Arbeit wird gedoppelt mit dem Anspruch einer Gruppenschau. Das Bildmaterial soll zusammenpassen und der rote Faden, den man zieht, repräsentativ sein. Neben dem Geschäft gibt es noch so etwas Altmodisches wie Anspruch. Man läßt, in Gestalt von Richard Paul Lohse und Marc Adrian, zwei Gewährsleute aus der Kunstgeschichte Revue passieren (letzterer gar vertreten mit einer schlechterdings nicht verkäuflichen Leihgabe aus dem Oberen Belvedere). Deren puristischer bzw. kinetischer Ansatz findet Wiederhall in Monica Bonvicinis Fotografien von Hochhausarchitektur oder in den gemalten Containern von Anna Meyer. Judith Eisler malt ihrerseits eine Fassadenansicht, und Octavian Trauttmannsdorff bearbeitet Bilder von der Hannoveraner Expo. Was die Präsentation als Innenausstattung anbietet, sind Exterieurs nach dem Kästchensystem des Modernismus. Es ergeben sich dabei vielerlei optische Korrespondenzen, und daß die Optik ein Pendant in der gebauten und sonstwie konstruierten Realität hat, auf die die Arbeiten auch dann Bezug nehmen, wenn sie sich völlig selbstbezogen geben, versteht sich zusätzlich. Eine schöne Ausstellung.
Why Do We Cover Our Interior Walls and Windows?
28.04 - 02.06.2001

Galerie Krobath
1010 Wien, Eschenbachgasse 9
Tel: +43 1 585 74 70, Fax: +43 1 585 74 72
Email: office@galeriekrobath.at
http://www.galeriekrobath.at/
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa: 11-15h


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