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Lois Weinberger: Hortus conclusus

Am Münchner Königsplatz pflegte man zu den unseligen Zeiten des Nationalsozialismus Totenehrungen für die \"Gefallenen der Bewegung\" abzuhalten. Die klassizistischen Gebäude, die die urbane Situation markierten, schienen dem Regime offenbar sehr passend, und man fügte nur noch zwei sogenannte \"Ehrentempel\" hinzu, und das Ambiente war perfekt. Zwar wurden diese steinernen Ungetüme nach der Niederlage gesprengt, doch ihre Grundfesten erwiesen sich als resistent. Vor etwa zehn Jahren wollte man auch sie entfernen, die Historiker hatten nichts dagegen, und der Stadt war es nur opportun. Es wurde nichts, und die Sockel breiten sich noch heute aus: Ritzenbiotope hatten sich entwickelt und einen Ort mit Vitalität aufgeladen, der für das Lebensfeindliche schlechthin stand. Die ruinösen Male aus politischen Gründen zu entfernen, war aus ökologischen Gründen unmöglich geworden. Der ewige Kreislauf des Biologischen legte sich über die Lehren aus der Vergangenheit. Mit dieser Geschichte im Gepäck läßt es sich nun trefflich vermelden, daß Lois Weinberger bei Martin Janda ausstellt, mit einer Präsentation, die quantitativ und qualitativ durchaus den Anspruch einer Werkschau erheben darf. Projektentwürfe, Modelle, Lagepläne und nicht zuletzt eigene Kleinansiedlungen von botanischem Leben zeigen Weinbergers trefflich grüne Palette. Bei den Titeln taucht häufig der Begriff \"Garten\" auf, das alte Wort für das der Natur Abgerungene, Kultivierte, in die Gegenwelt der Systematik Gebrachte. Das Geordnet-Gärtnerische müßte, so denkt man, Weinbergers Strategien für eine Resozialisierung des Pflanzlichen eigentlich entgegenstehen. Doch ist eine spezielle Form von Garten offenbar tatsächlich Ziel und Zirkel von Weinbergers Bemühungen, und eine Arbeit vor Ort ist dieser speziellen Form auch gewidmet. Sie heißt \"Garten Eden\". Aus dem Paradies sind wir vertrieben. Doch vielleicht hat es ja einen zweiten Eingang. Und womöglich ist es Weinberger gegeben, ihn auch zu finden.

Lois Weinberger
22.04 - 23.06.2001

Raum aktueller Kunst Martin Janda
1010 Wien, Eschenbachgasse 11
http://www.raumaktuellerkunst.at


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