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Claude Monet und die Moderne: Sag`s durch die Seerose

In der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel besitzen sie ein riesiges, neun Meter breites Seerosenbild von Claude Monet. Dieses panoramatische Ungetüm haben sie neben eine Fensterfront gehängt, die den Blick freigibt auf einen - man ahnt es - Seerosenteich. Das Bild und die Realität, sie sehen sich ja so ähnlich. Dieser Naturalismus für Arme ist in Riehen eines der großen Ärgernisse und im Allgemeinen eines der hauptsächlichsten Mißverständnisse bei der Betrachtung der Kunst der Moderne. Die Moderne nämlich hat sich gerade vom Prinzip Ähnlichkeit verabschiedet. \"Claude Monet und die Moderne\" ist in enger Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler entstanden. Vielleicht liegt es daran, daß sie jetzt in der Hypo-Kunsthalle einen Fehler machen, der dem soeben beschriebenen sehr, nun ja, ähnlich ist. Zwar wollen sie Monets vegetabiles Geschlinge nicht auf die Wirklichkeit verpflichten. Aber sie wollen mehr oder weniger die gesamte Abstraktion der Nachkriegszeit an den Impressionisten anhängen. Schließlich sieht bei einigem guten Willen ein Pollock oder ein De Kooning so ähnlich aus wie das Spätwerk des Alten von Giverny. Weil es nun wirklich eine griffige These ist, hat man das Ausstellungskonzept schnell verstanden. Erst kommen die Monets, vor allem Seerosen, und das in repräsentativer und beeindruckender Anzahl. Dann folgen die Nachfolger nach, Informelle wie Riopelle oder Girke und die versammelte Elite der abstrakten Expressionisten. Es defilieren vorbei die Farbfeldmaler wie Noland und Elsworth Kelly und auch die Einzelgänger wie Rothko und Barnett Newman. Schließlich hat es der Kuratorin gefallen, auch noch ein abstraktes Bild von Gerhard Richter an die Wand zu hängen. Und für all das soll der arme Monet verantwortlich sein. Impression ist nicht Expression, auch wenn es manchmal danach aussieht: Impression läßt die Bilder hinein, Expression läßt sie hinaus. Impression ist ebenfalls nicht Abstraktion, auch wenn es manchmal wiederum so aussieht: Impression läuft über das Auge, Abstraktion läuft durch den Körper. Die Ausstellung läuft auch über das Auge. Dabei sollte sie doch über das Hirn laufen.
Claude Monet und die Moderne
23.11.2001 - 11.03.2002

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
80333 München, Theatinerstrasse 8
Tel: +49 (0)89 22 44 12, Fax: +49 (0)89 29 16 09 81
Email: kontakt@hypo-kunsthalle.de
http://www.hypo-kunsthalle.de
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr


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