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Jahresrückblick, schon wieder

Ausstellungsinstitut des Jahres: Das Mumok. Man muss erstens nicht alle Projekte des Museums mögen (siehe unten). Man kann zweitens der personellen Generalsanierung schon geraume Zeit beim Funktionieren zusehen (siehe den Rückblick auf das Jahr 2002). Aber dass es Edelbert Köb trotz unmöglichem Leumund dazu bringen könnte, vor der seit Jahren unfähigsten politischen Figur des Landes, vulgo Frau Minister Gehrer, noch zu reüssieren, ist dann doch eine spezielle Tugend nicht nur von ihm sondern seines ganzen Hauses. Mittelmaß des Jahres: Die Berichterstattung, auch "Journalismus" oder gar "Kritik" genannt, die sich über den heimischen Kunstbetrieb ergießt. Gerade hat die Zeitschrift "art" den "Standard" dafür herausgestellt, wie er die denkmalpflegerischen Gepflogenheiten der Albertina aufs Korn nimmt. Man kann es auch so sagen: Die "art"-Korrespondentin hat versucht, ihren Lebensgefährten zu hypen. Aufsteiger des Jahres: Und was für ein Aufsteiger: Die Galerie Krinzinger, die ganz augenfällig bestrebt ist, der Abwanderung der Aufmerksamkeit in die neueren Richtungen von Eschenbach- und Schleifmühlgasse mit vermehrter Galerienarbeit zu begegnen. Beispielhaft dafür die Ausstellungen von Erwin Wurm und vor allem Mark Wallinger im Stammhaus an der Seilerstätte und die "Postmodellismus"-Zusammenstellung von "Krinzinger-Projekte". Tradition schützt nicht vor Ambition. Und wie durch ein Wunder entsteht auch gleich wieder so etwas wie ein Galerienviertel im ersten Bezirk. Künstler des Jahres: Rudolf von Alt. Der ist zwar auch nicht mehr der allerjüngste, doch dass er der Jugend etwas zu sagen hat, wussten schon die Aufrührer der Wiener Secession, die den soeben Neunzigjährigen seinerzeit zum Ehrenmitglied machten. Während man um die Albertina herum viel Blech ums Bleichen schmettert, zeigt das Haus, wie man der österreichischen Sache, die offenbar in Fragen der Kultur so wichtig ist, tatsächlich zuarbeitet: Indem man eine Ausstellung macht, die einen bis dato eher regional gehandelten Maler als einen Künstler von Weltrang zeigt. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum: Es ist eine Trias. Der bereits erwähnte Rudolf von Alt in Kombination mit der Fotoschau zur Urbanistik Wiens im 19. Jahrhundert und dem kleinen, feinen Kounellis-Überblick. Das öffentliche Forum ist die Albertina, und sie hat in diesem Jahr nolens volens so deutlich vom Blockbuster-Prinzip Abschied genommen, dass die Ausstellungen nicht nur wichtig geblieben, sondern gleich auch noch sympathisch geworden sind. Ausstellung des Jahres in einer Galerie: Die Präsentation einer völlig überraschenden Facette im Werk von Herwig Kempinger. Das Ganze vollzog sich zwar im Rahmen einer "Waters and Watercolours" betitelten Gruppenschau bei Georg Kargl, doch dass der Clou der Veranstaltung Kempingers großformatige Papiere in Schwarzweiss sein würden, ergab sich allein durch die Inszenierung. Sie markierten den Höhepunkt unten im Keller. Per aspera ad astra. Flop des Jahres: "Entdecken und Besitzen", die Sammlerausstellung des Mumok. Die Privaten spielen öffentlich-rechtlich. Wären Sammler wirklich so clean, so streberhaft und beflissen, mit einem Wort: so langweilig, wie das MUMOK sie zeigt, wären sie über eine Doppelseite in "Die Kunst und das schöne Heim" tatsächlich nie hinausgekommen. Die Abteilungen, die, streng voneinander separiert, die einzelnen Kollektionen vorführten, muteten an, bestenfalls, wie die Accrochagen der jeweiligen Galerien, bei denen bevorzugt eingekauft wird. Kurator des Jahres: Auch hier eine Trias. Die Herr- und Frauschaften Hasegawa, Wroblewska und Smith, die im Auftrag der Kunsthalle ein "Lebt und arbeitet in Wien" zusammenstellten und zu diesem Zweck ein wenig in der Stadt unterwegs waren. Sie sind die Ausstellungsmacher des Jahres, denn sie haben den ultimativen Unterschied zwischen Kurator und Tourist markiert: Touristen sind immer viele, Kuratoren aber waren sie nur drei.

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