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Liam Gillick - Fabriken im Schnee: Unscheinbare Utopien

Wie wohnlich sich der Kunstbetrieb eingerichtet hat in seiner Absicht, es politisch zu meinen, zeigen die Erfolge von Thomas Demand und Luc Tuymans. Der eine fotografiert nicht nur großformatig kleinformatige Szenarien, die er selbst mit Kleber, Schere, Bastelbogen auf die Bühne gestellt hat, sondern baut dabei immer auch Orte nach, die Schauplätze sind, Tatorte für Attentate oder Wahlfälschungen. Der andere gestaltet nicht nur in bester Treue zum Modernismus verwaschene Leinwände voller Leere und Flächigkeit, sondern fördert immer auch Porträts zutage, die von Verwicklungen handeln, von Tätern und Opfern und einschlägigen Gestalten. Liam Gillick ist auch so einer. Seine Alugebilde, wie sie bunt und einfach da auf dem Boden stehen, gemahnen nicht nur an die spezifischen Objekte des Minimal, speziell an Donald Judd, sondern meinen es ihrerseits aufgeladen mit Diskursivität. Typisch für die Minimal- und Conceptual-Revision der späten Achtziger wird gefragt, was diese Formen und Figuration außer Dinglichkeit und Theatralik noch zu bieten haben, und Gillicks Antwort ist so schlicht wie ergreifend: Diese Gebilde sind Modelle, Idealpläne für das perfekte Ambiente, das eine herrschaftssfreie Debatte oder eine emanzipierte Gesellschaft nun einmal brauchen. Für seine Ausstellung bei Meyer Kainer hat sich Gillick das Prinzip Fabrik vorgenommen. Tatsächlich arbeitet also eine ringförmige Bank, wie sie da in der Galerie steht, einem "Prototype Seating for a Revised Production Center" zu, und die bunten, zu einer Art Sitzgelegenheit zusammengestellten Rahmen führen vor, was die Fabrik an Nützlichem herstellen wird, wenn sie einmal, wie Gillick titelt, "aufgehört hat, Autos zu produzieren". Gillick ist ein Glücksbringer. Tatsächlich geht alles wie von selbst, lässt man sich nur darauf ein, überall den Geist der Utopie walten zu sehen. Begleitend zur Ausstellung hat Gillick einen Text verfasst, in dem er davon schwärmt, wie Arbeiter in ihre längst der Weltwirtschaft zum Opfer gefallene Fabrik zurückkehren und sie mit einem "Komplex von Ideen, Experimenten und Aktionen" anreichern. Schlicht und ergreifend, ganz post-post-industriell. Gillicks Arbeit ist wirklich die perfekte Illustration zum Prinzip Hoffnung. Vor allem zu jener Hoffnung, dass es so einfach geht.
Liam Gillick - Fabriken im Schnee
09.09 - 12.11.2005

Galerie Meyer Kainer
1010 Wien, Eschenbachgasse 9
Tel: +43 1 585 72 77, Fax: + 43 1 585727788
Email: contact@meyerkainer.com
http://www.meyerkainer.com
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-15h


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