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Art Unlimited

Die Postmoderne, so scheint es, ist endgültig vorbei. Die Postmoderne, das war jene Epoche, da Monsieur Jean-Francois Lyotard vom Erhabenen raunte, einem Erhabenen, das sich im Kleinen, Minimalen, Infinitesimalen kundtut, im Immateriellen und in der Verwunderung, dass etwas geschieht und nicht vielmehr nichts. Mit derlei Sublimitäten ist es nun endgültig vorbei. Es wird wieder geprotzt und gebauscht und mit Dimensionen um sich geworfen, dass es nur so eine Art ist. Eine Art Unlimited. "Interessant ist", schreibt Nina Schedlmayer in ihrer artmagazine.cc-Rezension der Lieshout-Ausstellung im MAK, "dass es offensichtlich nicht reicht, diese dystopischen Systeme einfach zu skizzieren. Da machen sich riesige Container im MAK breit, Schläuche schlängeln sich durch die Hallen. Gleichzeitig gibt man ein wenig kokett vor, dass Ästhetik eigentlich unwichtig sei. Wäre es das, könnte sich Joep van Lieshout?mit Zeichnungen begnügen." Dass man sich nicht mit Zeichnungen begnügt, sondern mit dem Ganzen und Geräumigen in aller Vollständigkeit die Säle vollpfropft, ist das Symptom der Gegenwart. Paul McCarthy musste gerade zu allem Sirup und allem Ketchup auch noch das seltsame Plastikschiff in Lebensgröße, das er mit dem schlabbrigen Zeug traktierte, ins Münchner Haus der Kunst stellen. Und Jason Rhoades tut es niemals ohne 2.000 Gerüststangen oder Neonschriften, mit denen er die Ausstellungen vollstopft. Von den unaufgeräumten Kinderzimmern, die langsam zu veritablen Jugendzentren werden, eines Jonathan Meese oder Christof Schlingensief ganz zu schweigen. Schwer zu sagen, ob die Basler fixe Idee der Art Unlimited das Symptom dafür ist oder die Erklärung. Doch ergießt sich dieses Faible fürs Format nach Art von Musterschauen, und alles, was heutzutage die Räume vollrammelt, ist so schnell wieder verschwunden, wie es, offenbar unter Einsatz der gesammelten Man- und Womanpower der Ausstellungshäuser, herangeschafft worden ist. Der Terror des Kolossalen hat etwas Virtuelles. Die Haute Couture der Moderne hat sich immer schon als Prêt-à-Porter verstanden. Die heutigen Monumentalformate verstehen sich dazu dann als die tragbaren Übergrößen.

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