Werbung
,

Puppets & Heavenly Creatures: Pop über Pop

Am 4. Juni feierte die Marionetten-Oper "Don`t Trust Anyone Over Thirty" bei den Wiener Festwochen seine, wie die Süddeutsche Zeitung schrieb, "umjubelte Europa-Premiere". Das Meinungsmacherblatt aus München meinte es insgesamt sehr hymnisch mit dem Stück, so dass sich, in dieser Reihenfolge, "legendär", "genial", "sensationell", "virtuos" und "unwiderstehlich" in der Rezension nur so überschlugen. Unsereiner, der auch schon über dreissig ist, fand das Opus, das von Dan Graham ersonnen, von Tony Oursler mit einem Videospektakel ausgestattet, von Rodney Graham mit einigen Liedern garniert und von der New Yorker Zwei-Mann-Combo Japanther dick mit Punk geschminkt wurde, ein wenig retro. Retro nicht in Bezug auf die Hippies, die zu der Zeit, da die Operette spielt, hip waren, aber retro durch den Eighties-Geist, in dem man darin über das Damals nachdenkt. Thyssen-Bornemisza Art Contemporary hat die Aufführung mitproduziert. Grund genug, jetzt auch eine "Puppets and Heavenly Creatures" betitelte Ausstellung um sie zu ranken, eine Gala mit Graham und Oursler und einigen Kollegen, bei denen das Performative, Bühnenhafte, Theatralische eine gewichtige Rolle spielt. Paul McCarthy lässt per Requisit und Fotodokumentation einen Auftritt in London Revue passieren. Jason Rhoades fasst vielerlei Gegenstände zu einem unaufgeräumten Jugendzimmer zusammen, desgleichen Christof Schlingensief . John Bock wiederum setzt das Highlight, eine Art Periskop, das gedreht wird, in der Kreisbewegung verschiedene stillebenartige Arrangements vorführt und daneben das eine, eigene Auge der Besucher, das nicht zu wegzukriegen ist aus dem vertrackten Sehfeld. In den Sechzigern war Dan Graham einer der Pioniere des Schreibens über Pop. Er schrieb als Künstler, und diese Aufsätze etwa über die Kinks oder über Dean Martin stellten seine genuinen Werke dar. In den Siebzigern konzipierte er die harschen, psychiatrischen Ambulanzen ähnlichen Intensivstationen seiner Spiegelinstallationen, und es gab nichts zu räsonieren über die Beiläufigkeit der Jugendkultur. Mit den leut- und lebensseligeren Pavillons der Achtziger setzte die Publizistik wieder ein. Nun hat Graham etwas noch einmal anderes geschrieben. Selbst ein Stück Pop. Pop über Pop. Pop im Eighties-Geist der unendlichen Verdopplung.
Puppets & Heavenly Creatures
04.06 - 26.08.2005

Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (alte Location)
1010 Wien, Himmelpfortgasse 13/9
Tel: + 43 1 513 98 56, Fax: + 43 1 513 98 56 22
Email: office@tba21.org
http://www.tba21.org
Öffnungszeiten: Di-So 12-18 h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: