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Re: MODERN: Mode und Modernismus

Im Frankfurter Museum Modern Kunst zeigen sie gerade unter dem Titel "What`s New, Pussycat?" die Neuerwerbungen der letzten Jahre. Per Ausstellung in der Ausstellung macht sich dort Günter Umberg, der mit seinen schwarzen Tafeln insistierend der Monochromie verpflichtet ist, seinerseits einen Reim auf das, was das Gezeigte zusammenhält: Es ist eine Kunst über den Modernismus. Also präsentiert Umberg eine Arbeit von Jonathan Monk, die ein Gitterbild von Mondrian als Dia an die Wand wirft. Es gibt einen kleinen roten Punkt an der Wand von Ceal Floyer, der als Malewitsch im Miniformat alle Marktchancen gleichzeitig aufruft. Auch Noritoshi Harakawa macht sich einen Reim auf Malewitsch: Das schwarze Quadrat ist bei ihm rosa eingefärbt, ist ein Foto geworden und zeigt als solches nun den Anus im Close Up. Dieser kurze Bericht sollte skizzieren, was eine Kunst über den Modernismus alles sein kann. Denn im Künstlerhaus, wo sie unter dem Titel "Re:Modern" auch etwas über das Phänomen zu sagen haben wollen, liefern sie eine ziemliche Sparversion davon. Natürlich war Modernismus von jeher der Paradefall von Vereinfachung. Eine Kunst über den Modernismus wäre nun angetreten, die Dinge wieder in das ihnen gebührende Licht der Vervielfachung zu rücken. Nicht so im Künstlerhaus. Sie reduzieren Modernismus auf dessen Architektur. Und die Bilder dazu auf deren Formalisierung. Man zitiert Habermas und dessen "unvollendetes Projekt der Moderne". In der Ausstellung sieht es so aus, als bestünde dieses Projekt ausschließlich aus der Reduktion von Komplexität. Das heißt nicht, dass sich daraus eine schlechte Präsentation ergäbe. Im Gegenteil, es sind allerlei aus der Neunzig-Grad-Fasson gerückte Rechtecke zu sehen, viel Schematismus von Fassaden, jede Menge Plattenbau und sonstigen weiland Funktionalismus, wie er als Modell, Fotoserie oder Wandzeichung seine Repetition in die Unbrauchbarkeit erfährt. Das passt gut zueinander. Und es tut, als wäre Reflexion schon dadurch zu haben, dass man einen Medientransfer inszeniert. Kunst über den Modernismus ist das nicht. Es ist Kunst mit Modernismus. Und ein wenig ist es auch Kunst mit Mode.
Re: MODERN
20.05 - 11.09.2005

Künstlerhaus Wien
1010 Wien, Karlsplatz 5
Tel: +43 1 587 96 63
Email: office@k-haus.at
http://www.k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich 10-18 h, Mi + Fr 10-22 h


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