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Nervensägen

"frame 14 zum Thema Servus Austria erscheint Mitte Februar 2004". So war es einst in Nummer 13 von Österreichs Magazin zum "State of the Art" zu lesen. Gerade ist ein Heft 14 erschienen. Wir schreiben den April 2005, und frame schreibt zum Thema "Painting Photos". Bei dieser Arbeitsweise ist es nur leserfreundlich, wenn der Herausgeber im Editorial ein wenig auf sich und sein Produkt aufmerksam macht. Und weil das gut über Personality geht, schießt sich Alexander Pühringer in seinem Intro ziemlich heftig auf eine Person ein. Unter der Überschrift "Alles Roger, oder was" ist er sich nicht zu schade, Wortspiele mit Namen zu treiben, woraus zu ersehen ist, dass er es verdammt ernst meint. Es steht auch allerhand auf dem Spiel: die Ehre der Männer, und das ist womöglich noch mehr als seine eigene. Es geht um Ruth Noack, um ihre Position im Wiener Ausstellungsbetrieb und darum, dass sie neulich, bei der Präsentation der Ausstellung "Die Regierung" in der Secession, Wert auf etwas legte, das im documenta-Hype um ihren Mann Roger Buergel gründlich unter den Tisch gefallen war: Dass sie ihre Ausstellungen bis dato gemeinsam geplant hatten. Vielleicht schoss Ruth Noack ein wenig übers Ziel hinaus in ihrer Selbst-Darstellung, die zu einer Ich-Darstellung geriet. Dass sie, für die Sache der Frauen mit Vehemenz und Wissen engagiert, sich nun in einer Rolle wiederfindet, gegen die sie immer schon angetreten war, hat etwas allzu Ironisches. Und das durfte schon einmal gesagt werden. Vor allem aber taugt Ruth Noacks Auftritt nicht zur Invektive gegen die bedeutender gewordene Präsenz der Frauen im Kunstbetrieb. Wie die Klügeren und also Gelasseneren unter den Feministinnen längst wissen, dass es ihrer Sache nicht hilft, wenn Universitäten und solche, die es werden wollen, ihre kulturwissenschaftlichen Abteilungen mit weiblichem Personal auffetten, dessen publizistische Leistung darin besteht, hundertmal hintereinander das Wort "Gender" richtig zu schreiben, so hilft es im Wettbewerb der Geschlechter nun wirklich keinem, wenn Pühringer sich zu einem triefenden "Ich schämte mich wieder mal gründlich, ein Mann zu sein" herbeilässt. Vielleicht ist Ruth Noack ja eine Nervensäge. Doch so etwas lässt sich von Carl Aigner über, horribile dictu, Rainer Metzger zu Wolfgang Zinggl durchaus auch unter den Männern beobachten. Die Sache der Frauen, so heißt es bisweilen, ist erst dann ausgetragen, wenn sie auf ihren Positionen genauo inkompetent sein können wie ihre männlichen Kollegen. Vielleicht muss man den Satz modifizieren: Die Sache der Frauen ist erst dann ausgetragen, wenn sie die gleichen Nervensägen sein dürfen.

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1 Posting in diesem Forum
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Werner Rodlauer / Herausgeber | 27.09.2008 02:13 | antworten
Vier Postings zu dieser Glosse wurden am 27.09.2008 gelöscht, da sie nach Ansicht des Betroffenen beleidigende und ehrenrührige Anschuldigungen enthielten. Die Löschung erfolgte nach Aufforderung durch den Betroffenen. Fünf weitere Postings wurden am 03.02.2010 ebenfalls nach Aufforderung des Betroffenen gelöscht. Ein weiteres Posting wurde am 11.09.2011 nach Aufforderung des Betroffenen gelöscht.

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