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Vienna Art Week

Wenn in der kommenden Woche Wien zur Nabelschau des gerade Gängigen lädt, dann wird es nicht nur "viennAfair" sein, die mit Masse und Macht lockt. Es gibt da eine Parallelaktion, die sich der Lage der Dinge entsprechend "vienna art week" nennt und vom "Art Cluster Vienna" ins Leben gerufen wurde. Bei soviel englischer Groß- und Kleinschreibung könnte glatt unbedacht bleiben, dass der Kunstschwarm sich aus nachgerade allem zusammensetzt, was hierorts von Albertina bis Zentralverband der Österreichischen Galerien fürs Kunstzeigen zuständig ist. Und die Kunstwoche ist eine changierende Folge von ebendort in Szene gesetzten Veranstaltungen, bei denen Ausstellungsbesuche dahingehend mit Attraktivität aufgeladen werden, dass man mit dem Direktor einen Cocktail oder mit dem Galeristen einen Brunch zu sich nehmen darf. Martin Fritz, ehedem der Leiter des Kunstraums Wien und jetzt Direktor des Festivals der Regionen, hat im vorvorletzten Kunstforum einen wunderbaren Text geschrieben, der vom Eröffnungstrubel erzählt und davon, wie man die richtigen Leute in die richtige Umgebung setzt. Wie es scheint, haben die Art-Cluster-Vienna-Art-Week-Leute den Beitrag gut gelesen. "Knapp ist nicht der Raum", so heisst es da, "sondern die Zeit der professionell Beteiligten und das Aufmerksamkeitspotenzial der Akteure. Um diese Ressourcen zu optimieren - gewissermaßen um ihren ?Wirkungsgrad? zu erhöhen - müssen Zeit und Aufmerksamkeit möglichst innerhalb eines eng definierten Adressatenkreises verwendet werden... Der Sammler soll nicht erst mühsam aus der Masse herausgefiltert werden müssen, sondern muss freistehend angepeilt werden können. Kommunikation ist das Werkzeug, und jeder kennt die fliehenden Augen von GesprächspartnerInnen, die sich ihrer Meinung nach schon zu lange in einer `nicht umsetzbaren` Konversation befinden. Die Lösung ist bekannt und hat sich längst als Standard von Großveranstaltungen etabliert: Möglichst effiziente Trennung des Normalpublikums vom professionellen Tross, durch Previews, Sondereröffnungen, Abendessen und abgestufte Zutrittsmöglichkeiten." Die "vienna art week" ist all das und dabei auch noch viel mehr: Die Teilnehmerzahl an den Events ist streng begrenzt, doch rekrutiert wird nach der Reihenfolge der Anmeldungen; das Publikum ist handverlesen, doch gibt es eine Pressekonferenz, um von der Handverlesenheit zu berichten; von der Kunst wird wortreich per gülden eingeschlagener Broschüre geschwärmt, doch benötigt man die grössten Lettern dafür aufzulisten, wann es wie etwas zu essen und zu trinken gibt. Die "vienna art week" zeigt Exklusivität in aller Offenherzigkeit. Das nennt man der Wahrheit die Ehre geben.

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