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Bernardo Bellotto genannt Canaletto - Europäische Veduten: Dialektik der Aufklärung

Heroisch war es, dass Wilfried Seipel, der Chef des Wiener Kunsthistorischen Museums, sich für Klaus Albrecht Schröder, den Kollegen von der Albertina, neulich Sympathie hin, Antipathie her in die Bresche warf. Heroischer ist, was sein Haus als Institution jetzt leistet, um den Alpdruck um den Hasen zu beseitigen. Es macht eine Ausstellung, bei der völlig klar ist, dass sie niemals zustande käme, wenn es nicht ein Institut von Weltruf mit ebensolchen Leihgaben wäre, die sie veranstaltet. Dass gerade Bernardo Bellotto gegeben wird, mag Zufall sein. Guter Zufall. Der handfeste Venezianer, 1722 geboren, der bei seinem Onkel lernte und von ihm das Markenzeichen "Canaletto" übernahm, war bis zu seinem Tod im Jahr 1780 der Porträtist schlechthin eines Europas der Höfe. Zu Zeiten der vielerlei Ancien Régimes waren nicht die Städte, sondern die Residenzen die Zentren, und so legte Bellotto für die allerhöchsten Auftraggeber, Kaiser, König, Zar, die Orte ihrer Hofhaltung auf die Leinwand. Manchmal waren das die Kapitalen, Dresden, Wien, Warschau, und manchmal die Lustschlösschen irgendwo im gut und pittoresk Gelegenen, Schlosshof an der March zum Beispiel. Und weil zu Zeiten ungebrochener Mimesis das herrschaftliche Auge in erster Linie sehen wollte, was es selbst sah und weniger was dem Künstler vor die Linse kam, ist die Abbildhaftigkeit von exaktester Genauigkeit. Norman Bryson, der Kunsthistoriker, hat die schöne These aufgestellt, dass der Realismus der Bilder zunimmt, je wichtiger das Hinzugedachte der ausgeschmückten Motive gegenüber dem Vorgewussten der konventionellen Themen wird. Bei Bellotto wird das Hinzugedachte der Umgebung zu nicht weniger als die Haupt- und Staatsaktion. Ob, was er hingebungsvoll malte, als Genre, Vedute oder Capriccio daherkommt, ist nebensächlich. Denn das zum Thema Nebensächliche wird sein Thema. Wer mag, kann das für modern halten. So modern, wie das Abbildhafte unmodern ist. Bellotto ist dabei weniger sowohl das eine als auch das andere. Er ist das eine, weil er das andere ist. Ein kluges Wort nannte das einst Dialektik der Aufklärung.
Bernardo Bellotto genannt Canaletto - Europäische Veduten
16.03 - 19.06.2005

Kunsthistorisches Museum
1010 Wien, Burgring 5
Tel: +43 1 525 24 0
Email: info@khm.at
http://www.khm.at
Öffnungszeiten: Di-So 9.00-18.00


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