Werbung
,

Phonorama - Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium: Der Gout des Gutturalen

Das Auffallendste an dieser Präsentation zum menschlich Akustischen schlechthin ist, dass man nichts hört. Erst wenn man ihnen ganz nahekommt, werfen sich die Lautsprecher in Position und geben Töne von sich, deklamierende und klagende, wispernde und unterdrückte, aus dem Bauch heraus artikulierte und mit voller Brust vorgetragene, poetische und rustikale, das ganze Spektrum umfassend zwischen Aufladung und Ausladung. Der Mensch ist das sprechende Tier. Unermüdlich hat er den Schnabel offen. "Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium" wird in Aussicht gestellt. Medium wiederum dieser In- Aussicht-Stellung ist schlechterdings die Ausstellung. Brigitte Felderer, renommierte Wiener Kuratorin, hat sich also "Phonorama" vorgenommen. Ursprünglich konzipiert für die Ruhr-Triennale des Monsieur Mortier, dort dem Rotstift zum Opfer gefallen und von Peter Weibels ZKM heldenhaft gerettet, räsonniert die Schau über das Dechiffrierbare am Hörbaren und verbreitet den Gout des Gutturalen. Nach den Wunschmaschinen, die einst in der Kunsthalle ausgebreitet lagen, nun die Sprechmaschinen: Eine ebensolche hat Wolfgang von Kempelen um 1790 konstruiert, die Ausstellung hat sie rekonstruiert und sich damit eine Katalognummer eins, ein geschichtsträchtiges Exponat und eine gute Tat zugleich auf den Leib geschrieben. Die Kopplung von Bewegungsmelder und Lautsprecher ist der Clou, und leider hinkt der Schau das Visuelle etwas hinterher. Kempelens seltsamer Blasebalg etwa prangt als Vitrinenstück, und ein Dasein hinter Glas ist vielen der Dinge verordnet, wenn sie dafür eintreten, dass es künstliche Stimmen gibt und innere, Stimmen, die man bei der Wahl abgibt und solche, die man mit Gestik und Mimik unterstützt, Stimmen, die von oben und also vom Himmel gesandt werden, und Stimmen, die vom Schreibtisch und etwa vom Anrufbeantworter kommen. Auffallend an dieser Präsentation ist, dass man wenig sieht. Gerade hat das Kunsthaus Mürz ein Projekt angekündigt, in dem Thomas Trummer dem Phänomen von seiner Seite her nachgeht und ausschließlich künstlerische Positionen zum Thema Stimme bringt. Sollte sich die Schau dort im Halbdunkel verlieren, wäre es womöglich künstlerische Absicht. Das ist es in Karlsruhe nicht.
Phonorama - Eine Kulturgeschichte der Stimme als Medium
19.09.2004 - 30.01.2005

ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie
76135 Karlsruhe, Lorenzstraße 19
Tel: +49-721-8100-0
Email: info@zkm.de
http://www.zkm.de
Öffnungszeiten: Mi - Fr, 10-18 Uhr | Sa - So, 11-18 Uhr


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: