Werbung
,

Peter Paul Rubens: Der Meister der Miniaturen

Vor hundert Jahren, da hatte die Kunstgeschichte ihre große Zeit. Da entdeckte sie Quellen, nannte sie Namen und fügte ihre Funde zu jenen Meistererzählungen, die von Entwicklung sprachen, von Vollendung gar und von der Überzeugung, an einem Projekt zu arbeiten, an dessen Ende der Fortschritt steht. Die Ausstellung, in der die Albertina sich nun Peter Paul Rubens vornimmt, erinnert an die große Zeit der Kunstgeschichte. Die 120 Arbeiten, darunter ein Drittel Malerei, versprechen samt und sonders Eigenhändigkeit. Es kommen, abermals virtuos präsentiert und das heißt vor allem ausgeleuchtet, die Zeichung neben der Ölskizze neben dem Gemälde zu hängen, und den Verheissungen des Faches treu verfolgt man die Genese von Meisterwerken. Was der Bleistift macht, dient später dem Pinsel, und Hand und Hirn vereinen sich zur genialen Kreation. Das sieht gut aus und wirkt logisch. Zirkellogisch: Die Historie ist das Ergebnis der eigenen Grundannahmen. Die große Zeit der Kunstgeschichte ist längst vorbei. Man schlägt sich mit Interpretationen herum, wo einst die Dokumente bereitlagen, wittert hinter jeder Rekonstruktion eine Konstruktion, verzettelt sich in multiple Autorenschaften und prangert vor allem die alten Methoden an, die sich vornehmlich auf Dias stützen, die an die Wand geworfen werden: Kein Wunder, dass die Zirkelschlüsse so schön funktionieren, weiß man heute, denn alles, was man sieht, ist gleich groß, gleich leuchtend, gleich präsent und spielt sich ab im geschlossenen Raum von rechts und links. Derlei Skrupel prallen an der Albertina natürlich ab. Und so verwundert es nicht, dass auch bei ihr alles gleich groß, gleich leuchtend und gleich präsent ist. Rubens, der Großmeister des Mounmentalformats, kommt daher, als wäre er ein Kabinettmaler (aus dem einzigen größeren Bild, dem Washingtoner "Daniel in der Löwengrube", hat man gleich im Vorfeld einen Popanz gemacht), und die Schau geriert sich als, immerhin opulent geratene, Studioausstellung. Rubens mag ja ein toller Zeichner sein. Was er als Künstler war, läßt die Albertina aber allzu kurz kommen.
Peter Paul Rubens
15.09 - 05.12.2004

Albertina
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 -0, Fax: +43 1 533 76 97
Email: info@albertina.at
http://www.albertina.at
Öffnungszeiten: Tägl. 10-18h, Mi 10-21 h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: