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Early 80s and Now: Orts- und Bildspezifik

Wie alt Galerien sind, kann man meistens gut daran ablesen, wo sie logieren. Haben sie Etagen in Altbauten besetzt, dann stammen sie im Großen und Ganzen aus den historiebewegten Achtzigern. Sind sie in Industrielofts oder Fabrikhinterhöfen situiert, so folgen sie der Ärmel-Hoch- und Zurück-zum-Eigentlichen-Politik der frühen Neunziger. Haben sie sich in Geschäftslokalen eingenistet, dann entsprechen sie dem Hohelied auf die Wirtschaft, das die globalitätstrunkene Gegenwart anstimmt. In Wien läßt sich diese Ortsspezifik fast schon in Perfektion wahrnehmen: Die momentan boomenden Schleifmühlviertel und Eschenbach-Palais liefern Ladenzeilen, während die Keimzelle des Wiener Kunst-Aufschwunges, der erste Bezirk, einst die Altbauten zur Verfügung stellte. Nun ist die Galerie nächst St. Stephan um einiges älter als 20 Jahre, und doch atmen ihre Räume, weiß und hell und vergangenheitsgesättigt, wie sie sind, den Geist der Achtziger. Mit \"Early 80s and Now\" schlägt sie nun ihrerseits den Bogen zurück in die Zeit, die ihre heutige Identität geprägt hat. Damals wehte der \"New Spirit in Painting\", wie die wegweisende Ausstellung der Londoner Royal Academy von 1981 es nannte. Die Malerei war wieder das Experimentierfeld für die Investigationen, die bis dato auf gerastertem Papier, als Video oder gleich per verbalem Statement dahergekommen waren. Nicht weniger orthodox als die Conceptual Art, verlegten die Künstler ihre Untersuchungen nun auf die Prinzipien von Tafelbildern, auf die Rahmenbedingungen, die Oberflächenverhältnisse, die Farbenverteilung. Strenge und Systematik ließen sich mit dem neuen Hedonismus des Jahrzehnts, das den Life-Style entdeckte, verbinden. Vier Klassiker des Genres, Helmut Federle, Imi Knoebel, Gerhard Merz und Günter Umberg, sowie eine Neuentdeckung der Galerie, der Neuseeländer Stephen Bambury, werden mit sich selbst konfrontiert, indem jeweils eine frühe mit einer aktuellen Arbeit kombiniert wird. Man kann und soll sehen, was sich getan hat in 20 Jahren. Dem ersten Eindruck mag sich erschließen: Nicht viel hat sich getan. Doch verlangen diese Bilder nicht den oberflächlichen Blick, sondern den Blick auf die Oberflächen. Hier liegen die Sedimente ihrer großen Zeit.
Early 80s and Now
23.11.2001 - 02.02.2002

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
1010 Wien, Grünangerg. 1/2
Tel: +43 1 5121266, Fax: +43 1 5134307
Email: galerie@schwarzwaelder.at
http://www.schwarzwaelder.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 12-18h
Sa: 11-16h


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