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Sherlock, sehr locker

“Detektive” von Dirk von Lowtzow

 

Dirk von Lowtzow ist, so wie er das im Vorwort so beschreibt, wahnsinnig erfolgreich gescheitert. In seinen drei Semestern des Studiums der Kunstgeschichte hat er zwei Referate gehalten, bevor es abbrach. Eines über Duchamp, dessen Monografie er wie eine Bibel vorgesetzt bekam und von dem er “rein gar nichts” verstand. Eines über den “Höllensturz” von Peter Paul Rubens, vor dem er kurzerhand (und passenderweise) auf dem Weg zum Podium über die Treppen des Hörsaals stürzte. Er sollte, wie sich herausstellen wird, nach oben fallen.

Er geht 1993 nach Hamburg, um Rechtswissenschaften zu studieren, wo er Tocotronic* gründet. Tocotronic ist eine bis heute sehr erfolgreiche deutsche Rockband, als dessen Frontmann und Gitarrist er dann auch irgendwann kein Kunstgeschichte- oder Rechtswissenschaftsstudium mehr brauchte. In dieser Zeit schreibt er auch eine Reihe an Texten für und über die Kunstwelt. Die jeweils adressierte Person ist immer genannt, im Vorwort kommt der Autor über sich selbst zu sprechen.  

“Detektive”, das sich als Essay-Sammlung geriert, ist aber gleichzeitig auch eine intime und feinfühlig beobachtete Momentaufnahme seiner Lebensrealität, in der sich auch ein Theaterstück, ein Choral, ein Prosatext und ein Interview befinden. Erfrischend kreist Dirk von Lowtzow um das Beobachten anderer und das Festhalten von Momenten - nicht um sich selber. Besonders schön ist da der Atelierbesuch bei Dirk Bell. Er stellt ihn vielschichtig dar, als exzentrisches Künstlergenie und als ganz normalen Typen, ohne entlarvend zu sein und sehr liebevoll beschreibt er hier und in den anderen Kapiteln sein Umfeld. Nicht ganz ohne gewisse neurotische Gedankengänge an den Tag zu legen, lässt sich an dieser Stelle anmerken (Schlafen die Menschen unter der Erde eigentlich ruhig oder unruhig?). Wie er im Vorwort selbst bemerkt, ist von Lowtzow großer Fan von “Gruselzeugs” und bringt einen selbstironischen, unterschwelligen Hang zum Makabren in seine Texte, die trotzdem immer leichtfüßig bleiben. In Dirk Bells Atelier beispielsweise geistert eine Person umher, die ihm Tee anbietet. Ich persönlich hatte gleich Riff Raff von der Rocky Horror Picture Show vor Augen.

Alles in allem ist “Detektive” ein Buch, dass man immer wieder in die Hand nehmen kann, das nicht von vorn nach hinten lesen muss, und bei dem man definitiv auch beim zweiten Lesen noch viele erheiternde und erhellende Kleinigkeiten findet.

*Zum Weiterhören: Das Album “Nie wieder Krieg (Deluxe)” von Tocotronic (2022). Interessant auch darauf der Song “Ich tauche auf” mit der österreichischen Sängerin Soap&Skin.
⤇ z.B. auf Youtube

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Dirk von Lowtzow
Detektive
Verbrecher Verlag, Berlin 2026
ISBN 978-3-95732-659-1
⤇ Zum Verlag

Mehr Texte von Veronika Metzger

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