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Das Foto schaut zurück

Man betritt das WestLicht und weiß eigentlich schon, was einen erwartet: Krieg, Flucht, Klimakrise, Macht. Man könnte sich also fragen, warum man sich das freiwillig antut. Die Antwort hängt an den Wänden.

Die World Press Photo Schau ist zum 25. Mal im WestLicht zu sehen. Aus fast 60.000 Einsendungen wurden knapp 150 ausgewählt. Abstrakte Zahlen, wie wir sie aus den Nachrichten kennen, in denen diese Bilder zu sehen sind. Das Siegerfoto von der vierfachen Pulitzer-Preisträgerin Carol Guzy macht mit dieser Abstraktion kurzen Prozess. Darauf klammern sich verstörte Mädchen an ihren Vater Luis, während US-Einwanderungsbehörden ihn nach einer Anhörung festnehmen. New York, 26. August 2025. Kein dystopischer Ausnahmezustand in ferner Zukunft, sondern eine Familie. Ein Vater und Kinder, die offenbar noch nicht wissen, wie man einen Menschen verliert, obwohl er direkt vor ihnen steht.

World Press Photo zeigt Widersprüche, Macht und Ohnmacht, Gewalt und Widerstand. Die erstaunliche Hartnäckigkeit, mit der Menschen trotzdem weitermachen. Es sind oft alltägliche Szenen wie ein Kartenspiel oder eine Familie lachend. Oft allerdings auch solche, Szenen die viel zu alltäglich werden, weil wir sie täglich unter Headlines sehen. Die Ausstellung selbst beschreibt die diesjährigen Arbeiten selbst als Bilder einer Welt geprägt von Bruch, Dringlichkeit und zugleich Widerstandskraft.

Man merkt, wie erschreckend schnell wir uns doch an solche Bilder gewöhnt haben, an zerbombte Häuser, hungernde Menschen. An Proteste. An Körper, die zu Nachrichten geworden sind. Fotojournalismus kann dagegen nichts garantieren. Ein starkes Bild ist kein Impfstoff gegen Gleichgültigkeit. Aber hier scrollt man nicht einfach so weiter, nach diesen Bildern folgt nicht das Wetter und der Blick wandert nicht weiter zum nächsten Artikel. Man bleibt stehen, schaut noch einmal hin, vielleicht sogar länger, als einem lieb ist. Diese Art von Pressefotografie macht unsere Welt schwerer zu ignorieren. Im WestLicht hängt diese Welt derzeit an den Wänden - und schaut zurück.

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Abbildung: WORLD PRESS PHOTO DES JAHRES
Separated by ICE, © Carol Guzy, ZUMA Press, iWitness, for Miami Herald

Mehr Texte von Veronika Metzger

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