Parallel: Spielfeld für Spielgeld
Die Parallel Vienna hat wieder vier Objekte am Otto Wagner Areal bezogen und wartet dort wie gewohnt mit einer (Über)Fülle an künstlerischen Statements auf. Wer allerdings zuerst das dem Eingang zum Areal am nächsten liegende Jungendstiltheater betritt, mag im ersten Moment stocken: Weiße Wände mit klassischem Messebau passen eigentlich nicht zum Image der Parallel. War das Jugendstiltheater bei früheren Ausgaben noch Schauplatz für Performances und Gruppenshows, haben jetzt einige von Österreichs bekanntesten Galerien dort Quartier bezogen und zeigen meist Einzelpräsentationen jüngerer Künstler:innen. Die Galerie Thoman zeigt Malerei von Johannes Kofler (geb. 1982), Crone große Leinwände von Sophie-Luise Passow (geb. 1994). Bei Krinzinger gibt es Collagen auf Leinwand von Shanee Roe (geb. 1996). Konstanze Stoiber (geb. 1999) gibt bei der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder ihr Debüt auf der Parallel. Patrick Salutt (geb. 1992) studierte bis 2018 Architektur an der TU Wien bevor er 2022 seinen Master an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg machte. Seine Gemälde, die es bei The Stable aus S-chanf im Engadin zu kaufen gibt, sind mit 6.000 bis 10.000 Franken erstaunlich günstig, hatte er doch Ende des Jahres 2025 eine Einzelausstellung bei Hauser & Wirth in Zürich. Auf große Namen setzt die Galerie Rhomberg aus Innsbruck mit einer Gegenüberstellung von Zeichnungen von George Grosz und Andy Warhol. Warhol soll ja bei George Grosz Zeichenunterricht genommen haben, während dieser in New York unterrichtete, außerdem verteidigte Grosz das Werk the Broad Gave Me My Face, But I Can Pick My Own Nose von Warhol, das bei der jährlichen Ausstellung der Associated Artists of Pittsburgh von der Jury abgelehnt wurde. Kleinformatige Arbeiten von Grosz kosten ab 10.000 Euro, großformatige von Warhol bis zu 120.000 Euro.
Zwei Künstler:innen zeigt auch Sophie Tappeiner an ihrem Messestand. Malerei von Sophie Reinhold trifft auf Skulpturen von Albin Bergström. Während Reinhold in ihrem Diptychon (€ 30.000) das klassisch-bürgerliche Wohnzimmer durch einen nur schemenhaft wahrnehmbaren Stuhl konterkariert, tut sich bei Bergström mit seinen aus Heu gepressten übergroßen Kerzenhaltern eine Kluft auf zwischen den opulenten Kandelabern (ab € 4.500) und dem eigentlich nicht für Skulpturen geeigneten Material Heu.
Im ehemaligen Küchenpavillon zwischen dem Jugendstiltheater und der Otto Wagner Kirche zieht sich neben Bars und Kulinarik eine umfassende Ausstellung zum Thema Eat Art durch die Räume. Erstmals bespielt wird in diesem Pavillon der erste Stock, der neben einigen Artist Statements für Editionen reserviert ist. Die Nitsch Foundation zeigt hier Auflagenkunst von Hermann Nitsch, das Archiv Barbara Pflaum bietet u.a. Vintage-Prints der österreichischen Fotografin aus den 1980er Jahren um 400 bis 1.200 Euro an. Auf dem langgezogenen Gang sind Werke der kommenden Foto-Auktion des von Peter Coeln gegründeten Ostlicht gehängt. Das Angebot umfasst klassische Fotografie, etwa von Madame d’Ora, Heinrich Kühn oder Ansem Adams bis zu zeitgenössischen Positionen wie Erwin Wurm, Jakob Lena Knebel oder Nina Rike Springer. Die Auktion findet auf der Parallel am Sonntag, 13. September um 14 Uhr statt, geboten werden kann vorab auch ⤇ online.
In den beiden Pavillons 7 und 13 herrscht dann das für die Parallel so typische, durchaus positive Durcheinander von Räumen die von Künstler:innen bespielt werden und Galeriepräsentationen, die sich dieses Jahr oft auf ein oder zwei Positionen konzentrieren. Roberta Keil etwa zeigt die 1997 in Georgien geborene Nina Akhobazde, die Galerie Ernst Hilger Wollbilder der 1994 geborenen Bettina Willnauer. Stylianos Schicho und Alex Kiessling haben für sich eine Doppelpräsentation organisiert, Michael Ornauer und Clemens Wolf (die auch bei der Galerie Suppan im Jungendstiltheater zu sehen sind) zeigen im Pavillon 7 Werke die jeweils vom anderen überarbeitet wurden. Julia Avramidis und Pia Frank-Avramidis präsentieren das Mutter-Tochter Projekt Mother Tongue, im Rahmen dessen internationale Schriftstellerinnen mit Gedichten auf Arbeiten der beiden Künstlerinnen reagiert haben.
Spuren des Vergänglichen zeigt Erik Tannhäuser mit Beispielen aus seiner Serie Developments, die aktuell in La Villette, Paris zu sehen ist. Pflanzen und tote Tiere wie z.B. einen Fuchs der wahrscheinlich von einem Auto überfahren wurde, platziert er auf Metallplatten und setzt diese der Witterung aus. Der Zerfall des organischen Materials hinterlässt Spuren der Existenz auf den Metallplatten gleich einem archäologischen Artekfakt und stellt Fragen zu unserem Verhältnis zur Natur und der Verantwortung des Menschen dafür.
Eine ganz andere Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Natur ermöglicht die Installation The Thicket von Leo Petscha bei Lisi Hämmerle. Dabei versucht der Künstler „durch eine technosymbolische Simulation den Betrachter mit seiner Verbindung zur Natur und der Art wie er sie wahrnimmt“ zu konfrontieren. Die Skulpturen werden von einem generativen Algorithmus gesteuert - unvorhersehbar aber doch einen gewissen Rhythmus erzeugend.
Mit der Übersetzung zwischen realen und digitalen Landschaften setzt sich Thomas Gänszler in seinem Lanzeitprojekt Kontinent auseinander. Die Galerie Sturm & Schober präsentiert den vierten Abschnitt in Form von realen Skulpturen, Projektionen und Virtual Reality Elementen.
Zwischen den Galerie- und Künstler:innen-Räumen gib es immer wieder Präsentationen von Institutionen wie der Kunstuniversität Linz, der Universität für angewandte Kunst Wien und STRABAG Art.
Auf dem Areal zwischen den Pavillons fanden am Eröffnungstag Performances statt, wie das Projekt Polizeipferde für Österreich von Jonas Höschl, weiters ein Reenactment einer Performance von Muntean/Rosenblum deren aktuelle Kooperation mit Wendy & Jim von der Galerie Schloss Parz gezeigt wird und eine Wiederaufführung einer Performance von Franz West im Küchenpavillon durch Stefan Bidner und Silke Eggl.
Wer ein wenig Spielgeld hat, also über Budget für Kunstankäufe verfügt, hat gute Chancen auf der Parallel fündig zu werden. Wie immer sollte man genügend Zeit für einen Besuch einplanen denn abends finden dann noch Live Acts und Dj Sets bis spät in die Nacht statt.
Für Speis und Trank gibt es Food Konzepte von Mochi an mehreren Standorten der Parallel, aber auch am Areal selbst gibt es Kulinarische Angebote wie das Café Otto&Camillo im ehemaligen Direktionspavillon und das hervorragende Heurigenbuffet zur Lustigen Luise im Garten vor dem Pavillon 10.
Mehr Texte von Werner Remm 10 - 13.09.2026
Otto-Wagner-Areal
1140 Wien, Baumgartner Höhe 1
https://parallelvienna.com/
Öffnungszeiten: Do, Fr 13-20, Sa, So 11-20 h
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