Parting from Parton
Vergangene Woche ist es wohl vielen besonders schwer gefallen, aus dem Bett in die Küche zu stolpern und sich die morgendliche Tasse Ambition einzuschenken. “Dolly Parton hätte das kommunistische Manifest schreiben können, aber Karl Marx nicht 9 to 5”, so verabschiedet Margarethe Stokowski die Country-Legende im Spiegel.
Donald Trump setzt die Flaggen auf Halbmast, auch wenn das Internet (sprich: meine Internet-Bubble) laut “DONNY NOT DOLLY” schreit. Kommunisten, Faschisten und alle dazwischen, vom Weißen Haus bis zum Buckingham Palace, sogar bis in den Weltraum: Es scheint nichts außer Liebe für Dolly Parton von allen Seiten zu geben. Sie war eine Person, die es mit reiner Menschlichkeit schaffte, dass sich alle zumindest auf sie einigen konnten. Wenn nicht auf die Musik, dann zumindest auf die Person selbst.
Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Tennessee blieb sie auch trotz ihres späteren Reichtums demütig und mit dem Reichtum großzügig: Sie gründete die Initiative Imagination Library, um mehr Kindern das Lesenlernen zu ermöglichen und unterstütze die Covid-19-Impfstoffforschung mit einer Millionen Dollar. Dazu singt sie vergnügt “Vaccine, vaccine, vaccine, vaccine, I’m beging of you please don’t hesitate” zur Melodie von “Jolene” in die Kamera.
Trotz ihres betont gemachten Aussehens (“It takes a lot of money to look this cheap!”) schwingt in Interviews und Talkshowauftritten stets eine fast ernste Authentizität mit, die sie so auch ihren Fans mitgeben wollte. Man soll einfach so sein, wie man ist.
Vielleicht ist es fällt es deshalb allen so leicht, sie zu mögen und der Abschied von ihr fällt besonders schwer. Noch eine Woche danach bleibt Instagram sowie viele weitere Social Media Plattformen überflutet mit Content, Abschiedsbekundungen, Memes. Manche schreiben, es wäre ihnen nie in den Sinn gekommen, dass Dolly Parton auch sterben könnte - unsterblich geworden ist sie mit ihrem Lebenswerk allemal.
Ihr Tod kam für alle trotzdem irgendwie plötzlich und veranlasste den Trend, Stars wie Stevie Nicks und Meryl Streep in Luftpolsterfolie einpacken zu wollen, man will schließlich nicht noch mehr Ikonen verlieren. Leider sind in den Tagen danach Tim Curry und Yayoi Kusama gestorben - es war eine harte Woche, vor allem für die LGBTQ+-Community. Alle drei Todesfälle waren selbst Teil oder haben sich aktiv für die Rechte von queeren Personen ausgesprochen. Man soll eben so sein, wie man ist. Dolly hätte es so gewollt: Cowboyboots anziehen und die nächste Tasse Ambition einschenken.
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