Die Siegerprojekte des Open Call 2027/2028 der Kärntner Kulturstiftung KKS
Am 20. August wurden die beiden Siegerprojekte des Open Call 2027/2028 zum Thema >Peripherien im Wandel< vorgestellt.
VON KLAGENFURT NACH KLAGENFURT – Dialogisch den Horizont expandieren
VON KLAGENFURT NACH KLAGENFURT – Dialogisch den Horizont expandieren< beginnt mit einer ungewöhnlichen historischen Verbindung. Während der Österreichisch-Ungarischen Nordpol-Expedition (1872–1874) wurde eine abgelegene Insel im arktischen Eis, das „Franz-Josef-Land“, nach Klagenfurt benannt – als Dank für die Unterstützung der Expedition durch die Kärntner Landeshauptstadt. Seit damals existieren weltweit zwei „Klagenfurt“: eines in Kärnten und eines in der Arktis.
Diese unerwartete Verbindung nehmen Nicole Six und Paul Petritsch in Zusammenarbeit mit Jeanette Pacher zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Forschungsreise, um der Frage nachzugehen, was diese beiden Orte heute miteinander verbindet. Was passiert, wenn man einen Dialog zwischen ihnen eröffnet?
Dafür entwickeln sie Erzählräume in Kärnten, in denen sich historische Recherche, künstlerische Interventionen, Gespräche mit Wissenschaftler*innen und Erfahrungen aus einer Reise in den Norden versammeln. Mittels unterschiedlicher Arbeitsweisen wie Kartografie, Reisejournal, Fotografie, Akustik und körperliche Erfahrungen entsteht Schritt für Schritt ein neuer Blick auf Peripherie – nicht als abgelegener Ort, sondern als Raum von Beziehungen, Austausch und Veränderung.
Nicole Six und Paul Petritsch richten sich an Menschen unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Hintergründen. Sie bringen Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, regionale Vereine und eine interessierte Öffentlichkeit in sogenannten „nomadischen Erzählräumen“ miteinander ins Gespräch. Damit wird ihr Projekt zum Impulsgeber eines langfristigen Austausches zwischen Kunst, Wissenschaft und lokalen Partnerorganisationen, um gemeinsam in Zukunft weitere Vorhaben zu realisieren. Für den Auftakt des Projekts ist eine temporäre Bodenzeichnung des Franz-Josef-Landes im Maßstab 1:25 in im öffentlichen Raum in Klagenfurt geplant.Die Intervention soll Ausgangspunkt für Gespräche und Begegnungen sein und den Auftakt ihrer künstlerischen Expedition markieren.
Begründung der Jury
„Das Projekt, eingereicht von der Künstlerin Nicole Six, spannt einen Bogen von Klagenfurt zu der in der Arktis gelegenen Insel gleichen Namens, dem sie sich künstlerisch forschend widmen wird, um – modellhaft verstanden – die Erfahrung und Konstruktion von Nähe und Ferne, Eigenem und Fremden sowie Zentrum und Peripherie zu beleuchten und zu reflektieren. Das Künstler*innenduo Six / Petritsch, bekannt für seine multimediale Arbeitsweise und experimentellen Versuchsanordnungen und Eingriffe, überzeugt das Kuratorium mit der Vielfalt ihres künstlerischen und medialen Instrumentariums, der solide aufgesetzten transdisziplinären Ausrichtung ihres Projektes sowie der künstlerischen Bezugnahme auf historische Fakten und aktuelle wissenschaftliche Perspektiven. Im Sinne des Calls erscheint relevant, welche Verschiebungen des Verständnisses von ‚zentral‘ und ‚peripher‘ die Setzung zweier ‚Klagenfurts‘ zu evozieren vermag und vielversprechend das Bouquet künstlerischer Formate.“
RESONANZ DER GEZEITEN – Ein Kärntner HolzOval im Dialog mit der Welt
Die Ausschreibung der Kärntner Kulturstiftung „Peripherien im Wandel“ hat bei Stefan Breuer und Sebastian Hicks das Bild der Gezeitenzone erzeugt: jene Zone zwischen Ebbe und Flut, in der die Natur am produktivsten ist. Die beiden Architekten und Forscher verstehen die Gezeitenzone vor allem im Kontext der multiplen Veränderungen unserer Zeit – ökologisch, sozial und als auch digital.
Die aufsehenerregende mobile Bühne für ihr Projekt ist ein imposantes HolzOval, dessen umhüllender Paravent aus 108 Faltstühlen besteht – das CoForum. Es ist kein Bauwerk über den Wandel, sondern ein Instrument des Wandels. Nicht die Struktur ist das Projekt, sondern das, was durch sie ermöglicht wird. 108 Stühle sind 108 Plätze – eine Einladung an alle zum Zuhören, zum Empfinden, zum Teilhaben, zum Mitgestalten.
Als Partner*innen haben sie internationale und regionale Künstler*innen und Forscher*innen eingeladen, um mit ihnen gemeinsam im HolzOval einen künstlerisch, wissenschaftlich und gesellschaftsrelevanten Dialog zu eröffnen. Sie machen damit erlebbar, was diese Gezeiten in Menschen, Orten und Kulturen bewegen.
Über ein Jahr hinweg werden Interventionen, Gespräche und öffentliche Veranstaltungen, zum Beispiel beim Forum Antrophozän in Heiligenblut und an verschiedenen Orten in Kärnten mit internationalen und regionalen Beiträgen, stattfinden. Die Dialoge werden nicht nur verbal, sondern auch sinnlich durch Materialität und Klang beeindrucken und eine ganzheitliche Resonanz erzeugen. Den Schlussakkord bildet 2028 eine Veranstaltung im CoForum im Alpen Adria Raum.
Begründung der Jury
„Das Projekt, eingereicht von »open form«, Stefan Breuer und Sebastian Hicks, das eine aus Holz geformte Raumstruktur und transformative Installation als sinnlichen Erfahrungs-, Begegnungs-, Handlungs- und Diskursraum anbietet, überzeugt sowohl durch seine ästhetische Präzision und künstlerische Qualität wie seine konzeptionelle Differenziertheit, die Vernetzung regionaler und internationaler Perspektiven sowie seine gesellschaftliche Aktualität und Relevanz. Mit dem diesem Projekt eingeschriebenen Verständnis gelebter Demokratie und dem Ziel, eine Zone des ‚permanenten Fließens‘, des kulturellen sowie gedanklichen Austauschens und Gestaltens vor einem weiten Horizont zu schaffen, transformiert es eine binäre Festschreibung von Peripherie und Zentrum und entspricht aus der Sicht des Kuratoriums im besten Sinne sowohl der Ausrichtung des aktuellen Calls wie den Förderrichtlinien der Kärntner Kulturstiftung.“
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