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Artist Talk: Erik Tannhäuser
& Dr. Judith Benz Schwarzburg

Kunst, Ethik und das Mensch-Tier-Verhältnis
Erik Tannhäuser
 im Gespräch mit
Dr. Judith Benz Schwarzburg

Anlässlich der Ausstellung der Werkserie
 Developments in La Villette, Paris

Freitag, 18. September 2026
, 11:00–13:00 Uhr

Goethe-Institut Paris
 Goethe Institut
17 Avenue d’Iéna


75016 Paris


Bildende Kunst · Bildhauerei · Tierethik

Sprache: Deutsch und Französisch

Wie begegnen wir Tieren – als Mitgeschöpfen, als Ressourcen oder als bloßen Motiven? Und welche Rolle kann die Kunst dabei spielen, etablierte Sichtweisen auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu hinterfragen?

Im Gespräch mit der Tierethikerin Dr. Judith Benz-Schwarzburg (Messerli Forschungsinstitut, Veterinärmedizinische Universität Wien) gibt der Künstler Erik Tannhäuser Einblicke in seine Werkserie großformatiger Bildtafeln, die sich den Spuren menschlicher Eingriffe in die Lebenswelten von Tieren widmet.

Ausgangspunkt des Dialogs ist eine ebenso einfache wie grundlegende Beobachtung: Das älteste bekannte von Menschen geschaffene Tierbild zeigt ein Schwein. Seit den frühesten Höhlenmalereien bis in die Gegenwart prägen Tiere die Bildgeschichte der Menschheit. Doch diese Geschichte ist häufig auch eine Geschichte von Aneignung, Nutzung und Gewalt. Der Philosoph Randy Malamud beschreibt viele Begegnungen zwischen Menschen und Tieren als Ausdruck von Machtverhältnissen – eine Perspektive, die sich auch in Kunst und Kultur widerspiegelt.

Erik TannhäuserTannhäusers Arbeiten setzen dieser Tradition eine andere Haltung entgegen. Für seine Bildtafeln sammelt er Tiere, die er bereits tot aufgefunden hat– Opfer des Straßenverkehrs oder anderer menschlicher Eingriffe. Auf mit Pflanzenmaterial bedeckten Metallplatten entstehen durch Wasser, Luft und Zeit fragile Abdrucke ihrer Körper. Die Tiere werden nicht dargestellt, sondern hinterlassen Spuren ihrer Existenz. Die Werke erinnern an archäologische Funde oder frühe Höhlenzeichnungen und eröffnen einen Raum zwischen Erinnerung, Vergänglichkeit und Fürsorge.

Dr. Judith Benz-Schwarzburg stellt diese Arbeiten in den Kontext aktueller tierethischer Debatten. Nichtmenschliche Tiere gelten heute zunehmend als Individuen mit eigenen Interessen, Beziehungen und Erfahrungen. Zugleich geraten ihre Lebensräume immer stärker unter Druck. Die künstlerischen Arbeiten werfen daher Fragen auf, die weit über die Kunst hinausreichen: Wie können wir Tieren gerecht werden? Welche Verantwortung tragen wir gegenüber den Lebewesen, mit denen wir unseren Lebensraum teilen? Und wie lässt sich über Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Zusammenleben sprechen, ohne erneut über Tiere zu verfügen?

Der Artist Talk verbindet zeitgenössische Kunst mit ethischer Reflexion und eröffnet neue Perspektiven auf ein Verhältnis, das unsere Geschichte seit Jahrtausenden prägt. Im Zentrum stehen Fragen nach Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, nach Fürsorge und Gewalt sowie nach den Möglichkeiten einer Kunst, die nicht über Tiere spricht, sondern ihre Spuren sichtbar macht.

Ein Gespräch über Kunst und Verantwortung, über Menschenrechte und Tierrechte, über Natur und Kultur – und über die Frage, wie ein anderes Erzählen der Mensch-Tier-Beziehung aussehen könnte.

Developments verbindet Material, Zeit und Ort zu einer eindringlichen Erzählung über Verlust, Verantwortung und die Möglichkeit von Veränderung. Drei Arbeiten aus der Werkserie werden in La Villette präsentiert.
Die Vernissage findet am 19. September um 17 Uhr statt. 
Mehr dazu hier ⤇ Developments

 

 



Erik Tannhäuser

La Villette, 211 Av. Jean Jaures, folje j5, 75019 Paris

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Mehr Texte von Gino Brackerini

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