Szenen zwischen Steinen
Passants parmi les pierres im fjk3
„Passanten zwischen den Steinen“, so die deutsche Übersetzung des Ausstellungstitels, beschreibt nicht nur die Objekte der Fotos, er beschreibt auch die Rolle des Publikums beim durchqueren dieses Parcours, in dem Wahrnehmung selbst zum Thema wird. Architektur erscheint als aktiver Bildraum, Gesichter entziehen sich dem Blick, Bewegungen wirken angehalten. Die Ausstellungssituation scheint sich selbst beschreibend zu hinterfragen und so auch die unterschiedlichen Beziehungen, die sich in einem künstlerischen Raum ergeben: Die Werke zu sich selbst und untereinander, zum Publikum und irgendwie auch zum Akt der Betrachtung selbst. Diese Offenheit verbindet die unterschiedlichen künstlerischen Positionen. Dokumentarische und inszenierte Fotografien stehen gleichberechtigt nebeneinander und machen sichtbar, wie sehr jede Aufnahme eine Konstruktion von Wirklichkeit ist. Damit knüpft die Ausstellung an zentrale Fragen in der eigenen Arbeit von Künstler und Kurator Thomas Demand an, ohne sie in den Vordergrund zu rücken.
Diese Offenheit konstruiert und illustriert auch sanft eine Paragone Situation zwischen Skulptur und Bild aber auch zwischen bildender Kunst und Literatur. Clemens J. Setz hat zu den Werken wirklich bemerkenswerte Texte verfasst, die manchmal wie Notizen wirken, wie Teile eines Tagebuchs, manchmal auf andere Literatur verweisen, eine Wirklichkeit zu den Werken dazu erfinden. Sie haben einen leicht surrealen Tenor, geben Denkanstöße – besonders schön ist beispielsweise der Vorschlag, man solle immer einen Napoleonhut für besondere Anlässe dabei haben.
Passants parmi les pierres hat seine Wirkung nicht über spektakuläre Einzelwerke, sondern über Beziehungen. Die Ausstellung versteht Fotografie als Medium der Erinnerung, der Projektion und des Zweifelns. Sie zeigt Bilder, die sich nicht erschöpfen, sondern den Blick zurückwerfen – auf das Gesehene ebenso wie auf die eigene Art des Sehens.
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