Skulptur und Malerei als Bezugssysteme
Im Jahr 2015 erfuhr das Museum Liaunig eine bedeutende Erweiterung seiner Ausstellungsräumlichkeiten. Zur ikonischen, 160 Meter langen großen Ausstellungshalle kam eine zweite Halle mit einer Fläche von 1500 m2, die seitdem für Wechselausstellungen genutzt wird. Das nüchterne Dreieck mit seinen bis zu 35 Meter langen im Rautenmuster angeordneten Stahlbetonträgern an der Decke, bietet mit fünf Metern Raumhöhe genügend Platz für raumgreifende Präsentationen.
Im Dreieck von Skulptur und Bildraum
Die erste Ausstellung des Jahres 2026 bringt die Dimensionen der Halle an ihre Grenzen. Elmar Trenkwalders Ensemble mit dem lapidaren Titel WVZ 250 beherrscht eine Ecke des großzügigen Ausstellungsraums. Reich ornamentierte Türme aus glänzender blauer Keramik ragen bis knapp unter die Decke. Sie tragen figürliche Ausformungen an ihren Spitzen, wie sie im kollektiven Gedächtnis von Tempelanlagen rund um die Welt verankert sind. Das gesamte Gebilde ist geradezu übersäht von detailreichen Ausformungen. Trenkwalder zitiert Architektur genauso wie Figürliches. Dabei sind die einzelnen Elemente selten gänzlich ausformuliert. Sie befinden sich quasi in einem Status Nascendi, so als sei ihre Erscheinung nur zwischenzeitlich eingefroren und könnte sich jeden Moment fortsetzen. Der symmetrische Aufbau der Skulptur lenkt den Blick auf ein reich gegliedertes Zentrum mit Anspielungen an christliche Symbolik.
Gegenüber an der Fensterfront windet sich ein grün-blau schimmerndes Gewächs aus dem Boden. Mit höchstem handwerklichen Können lässt Trenkwalder Analogien zu Sci-Fi und Horrorfilmen entstehen. Die Symmetrien sind aufgebrochen und es entspinnt sich eine Wesenheit die zwischen Floralem und Animalischem changiert, eine keramische Chimäre, aus der halb entwickelte Embryos und rudimentäre Wirbelsäulen wachsen.
Während Elmar Trenkwalder in der Kunstwelt zuletzt wachsende Anerkennung und museale Präsentationen erfahren durfte, war das Œuvre seiner Partnerin Elisabeth Trenkwalder in den vergangenen Jahren hierzulande nicht zu sehen. Dabei lohnt die mit Elmars skulpturalem Werk korrespondierende Malerei einen genaueren Blick. Elisabeth Trenkwalder entfaltet in ihren teils monumentalen Gemälden eine Verschränkung der Außen- und Innenräume menschlicher Wahrnehmung. Künstliche und natürliche Sphären verschmelzen zu Projektionen körperlicher Zustände und Vorstellungen. Surreal anmutende, an Landschaften erinnernde Traumwelten, gehen eine symbiotische Beziehung mit den Skulpturen ein und erweitern diese in einen imaginären Raum.
Von der Figur im Raum
In der ebenfalls seit 2015 genutzten unterirdischen Kuppelhalle des Museum Liaunig entfaltet sich dieses Jahr das bisher kaum bekannte Werk des Bildhauers Robert Tauber. Der Künstler, der behauptet, dass er schon als Kind den Wunsch hatte, Bildhauer zu werden, begann seine Karriere 17-jährig als Praktikant bei Zimmerleuten bevor er seine Lehrjahre als Holzbildhauer und Vergolder anschloss. Im Jahr 1960 zog er von Oberösterreich nach Wien um an der Akademie der bildenden Künste bei Josef Pillhofer zu studieren, wo er 1964 sein Diplom erhielt. 1970 zog er wieder zurück nach Oberösterreich, wo er bis heute lebt und arbeitet.
So wie bei Pillhofer bildet auch in Taubers Werk die Figur die Grundlage des formalen Denkens des Künstlers. Tauber geht es dabei aber weniger um die reine Darstellung des Körpers oder die Auseinandersetzung mit der Reduktion des Körperlichen bis zur Abstraktion. Tauber interessiert vielmehr die Auseinandersetzung mit der Figur im Raum und die Fragen der Wahrnehmung von Dreidimensionalität. Die Ausstellung beschränkt sich auf 29 Skulpturen aus den Jahren 1962 bis 1983, die von Kuratorin Alexandra Grimmer ausgewählt wurden, um die zentralen Charakteristika des knapp 200 Skulpturen umfassenden Werks Robert Taubers zu veranschaulichen. Neben seinem früh erworbenen Wissen um die Holzbearbeitung bildet die oft aufwendige Behandlung der Oberflächen einen zentralen Aspekt im Werk des Künstlers. Vergoldungen, Silberblätter oder Harze wie Schellack und Bleiminium verleihen seinen Skulpturen eine unverkennbare Erscheinung, die durch gezielt erworbene Patina noch verstärkt wird.
Beide Ausstellungen im Museum Liaunig zeigen Skulptur beziehungsweise Malerei in sehr speziellen, im aktuellen Kanon eher randständigen Positionen, die jedoch eine intensivere Auseinandersetzung verdienen.
Elisabeth und Elmar Trenkwalder – Bilder und Skulpturen
26.04. - 19.07.2026
Robert Tauber – Dem Raum zugeschrieben
26.04. - 31.10.2026
Museum Liaunig
9155 Neuhaus/Suha, Neuhaus 41
Tel: +43 (0)4356 211 15
Email: office@museumliaunig.at
http://www.museumliaunig.at/
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 h
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